Festrede anlässlich des Klassentreffens im September 2011
Absolventen der Ingenieurschule für Fördertechnik des  Jahrgangs 1961

Vorbereitet und vorgetragen von Fritz Degenhardt

Ich wurde vom HWN gebeten, ein paar Worte zusagen. Nun hatte ich schon meine Schwierigkeiten den Anfang zu finden.

Soll ich sagen: „Liebe Mitschüler!“ Das geht mir über die Hutschnur, denn auch Volker Lorenz, Dieter Naumann und Klaus- Dieter Eschler waren unsere Mitschüler. Sieeressieren sich aber nicht mehr für uns.  Haben den Kontakt abgebrochen bzw. gar nicht erst aufgenommen  Mitschüler bedeutet also weiter nichts, als nebeneinander auf dem Stuhl sitzen und ggf.  noch Intrigen spinnen. D.h. Ich bin weit weg von meiner Vorstellung des diesjährigen Klassentreffens, wenn ich mich dieser Begrüßung bedienen würde.
Sage ich: „Liebe Freunde!“ Träfe das wohl auch nicht zu, denn Freundschaften sind stets sehr gepflegte und intime  Beziehungen. So nah sind wir uns auch  wieder nicht. Treffen wir uns also in der Mitte und ich spreche das heutige aktuelle Wort aus:

Hallo, ich grüße Euch. Ihr seid da und ich bin auch da!“
Natürlich heiße ich auch alle Ehepartner herzlich willkommen, die sich angeschlossen haben.

Mein Dank – sicherlich auch in Eurem Namen – gilt heute  besonders dem Onkel, der das Klassentreffen vorbereitet hat, und wie immer HWN, der es versteht, uns zusammenzurufen. Ich erinnere daran, dass HWN auch Ausgaben hatte. Diesbezüglich habe ich eine Schüssel hingestellt, wo jeder seinen Obolus hineingeben kann. Dabei sollte ein Betrag zwischen 3,- € und 5,- € durchaus angemessen sind.
Nicht zuletzt begrüße ich ganz herzlich unseren ehemaligen  Dozenten Werner Alisch und seine Gattin Hannelore, die beide wieder einmal an unserer Feier teilnehmen
 können. Ich denke, wir sollten uns bedanken mit einem kleinen Beifall!

50 Jahre Ingenieurabschluss!

Dazu gehört  aber wohl auch, ein paar Worte zu verlieren zu den drei Jahren, wo wir unsere Ausbildung in Roßwein hatten.
Vier Episoden fallen mir sofort ein, wenn ich etwas Prägnantes zu Roßwein sagen soll:

1.  Ich denke an den Dozenten Krauspe, der ganz langsam Schritt für Schritt uns in die Festigkeitslehre und teilweise in die Statik einführte. Seine Lehrmethode war logisch und ohne jede Hektik. Ich habe kaum wieder einen Ausbilder erlebt, der so ein exaktes Tafelbild hatte, wie unser Dozent Krauspe.
2.  Im Gegensatz dazu – es sei mir erlaubt – möchte ich den  Dozenten Keller in Physik nennen, der nur so vor Hektik sprühte.
3.  Für mein späteres Berufsleben habe ich ein Ereignis mitgenommen aus einer Hausaufgabe vom Dozenten Werner Alisch. Für eine Aufgabe, die, wie wir glaubten, nur eine und nur eine Lösung hatte, sollten wir mehrere Lösungsvarianten suchen.
4. Wie oft mussten wir später im Berufsleben nach anderen Lösungen suchen, obwohl wir uns sicher waren, auf dem einzig richtigen Weg zu sein.
Einmal fehlte eine Radialbohrmaschine, um die Aggregate zu fluchten; dann bat die Kooperation um mehrere kleine Bauteile, weil nur ein Multikar vorhanden war und
 schließlich fehlten erfahrene Fachkräfte. Häufig hieß es Umkonstruktion  oder Veränderung der Technologie

Es gab aber auch Episoden zum Schmunzeln, die mir in Erinnerung sind:

1. Der Dozent Birkner lobte den Sozialismus mit seinen Vorzügen und Freiheiten. Von uns Beispiele abfordernd antwortete Wolfgang Lutze: “Ein Vorzug ist die Teilnahme am NAW!“.  Wir brachen in ein Gelächter aus und der Dozent Birkner versuchte, uns zu erklären, dass dieses Beispiel unpassend sei. Im Nachhinein muss ich positiv erwähnen, dass Wolfgang trotz dieser Äußerung  keine Nachteile hatte.

2. Als Letztes möchte ich unseren Russischlehrer Dr. Weber erwähnen. Ein älterer schwerhöriger, aber gutmütiger Mann. Tief erschüttert hat er einmal unser Klassenzimmer
 betreten und erzählte total erschüttert: Als er soeben auf der Toilette war, am Urinal stand, um Wasser zu lassen, kam ein Student dazu, um ebenfalls zu pinkeln. Ganz freundlich grüßte dieser mit dem Wort  „Mahlzeit“ .

Es gibt sicherlich noch viele Erinnerungen

- vom geschossenen Hasen mit  dem GST-Gewehr durch HWN mit seinen Mitstreitern und dem darauf folgenden festlichen Mahl, dass die Vermieterinnen Familie Bauch zubereitet hatten bis zum
- monatelang vergessenen alten Stollen, den wir – Hartmut und ich – von unserer Wirtin erhielten. Er war nur noch  mit Aufweichen zu genießen – aber er hat geschmeckt und nichts ist übrig geblieben.

Es gab aber auch freudige Ereignisse im wahrsten  Sinne des Wortes.

Horst Reibetanz und auch ich wurden Vater und der ein oder andere war froh als wieder 4 Wochen vorbei waren, um nicht auf dem Wege zum Vater zu sein.

Wir waren also 1961 frischgebackene Ingenieure!

Soweit ich mich erinnere, hatten alle bestanden, und wir hofften auf  ein langes Berufsleben. Aber das Schicksal hat es mit manchen von uns nicht gut gemeint. Für einige gab es nur ein kurzes Berufsleben.  Einige von damals sind schon lange nicht mehr unter uns.

Ich bitte Euch für einen kleinen Moment aufzustehen und derer zu gedenken, die der Tod viel zu früh von uns gerissen hat. Es soll jetzt nicht unbedingt eine Schweigeminute werden.  Sollte jemand seine Gedanken äußern wollen, so soll er es jetzt machen. Ein paar Worte in würdiger Form  über die menschlichen und charakterlich guten Seiten der nachfolgend aufgeführten Verstorbenen sollen hier Platz finden.  Ein stilles Erinnern  und stilles Gedenken ist aber auch in Ordnung.

Wir erinnern uns an Christa Vierhuve – ein munteres Fräuleinchen, die so manchmal mit uns Jungs Fußball gespielt hat.
Wir erinnern uns an Hans Siewert, der auch im stärksten Winter mit seinem Motorrad zum Unterricht kam.
Wir erinnern uns an Johannes Mühlfeld, den wir viel zu oft beim Sport gehänselt haben
Wir erinnern uns an Wolfgang Lutze, der immer wohl gelaunt und so manches Wort – ob bewusst oder unbewusst - mit spitzer Zunge geäußert hat.
Wir erinnern uns an Wolfgang Höhne. Wie oft hat er mit seiner nur ihm eigenen „Lache“ uns zum mitlachen gebracht?
Wir erinnern uns aber auch an unseren Fachgebietsleiter Herrn Berger, der immer mit seinem P70 kam und uns mit den speziellen
 Fördertechnikgeräten vertraut gemacht hat.
Ich danke Euch für das Gedenken!Heute vor 50 Jahren – im September – waren wir schon in den Betrieben.
Einige suchten ihr Heil in der Technologie, andere in der Konstruktion. Die aufkommende Rechentechnik wurde Betätigungsfeld  und wieder andre gingen auf Montage. Es gab sicherlich noch andere Aufgaben, auf die ich in meinen Ausführungen verzichten möchte bzw. gar nicht kenne. Einige legten in Roßwein noch die Prüfung als Schweißingenieur ab bzw. erreichten im Fernstudium einen Hochschulabschluss.
Völlig aus der Art ist Hartmut geschlagen. Er nahm noch einmal ein Medizin-Hochschulstudium auf, wurde Arzt und promovierte.

Doch schon nach kurzer Zeit unseres Abschlusses 1961 in Roßwein hat uns die Wirklichkeit in den Betrieben eingeholt. Vieles konnten wir nicht umsetzen, obwohl wir es wollten und es auch logisch und auf der Hand lag. Alte Kader bremsten neue Gedanken aus.  Planuntererfüllungen  ließen keine sachliche Arbeit zu - Investitionen fehlten und es wurde um so manche Drehmaschine beim Kombinat gebettelt.
Es gab unter uns aber auch einige, die verschont blieben von dieser Misere  und die im Betrieb ihre Erfüllung fanden und glücklich wurden mit ihrer Arbeit. Andere wiederum blieben ihren Betrieben trotz Unzufriedenheit  treu. und versuchten das Beste aus  ihrer Arbeit  zu machen. Wieder andere wechselten ihr Arbeitsgebiet und wieder andere sogar ihre Arbeitsstelle. Spitzenreiter war wohl ich selbst mit 9 verschiedenen Funktionen in 6 verschiedenen Betrieben.

Dann kam die Wende 1989!

Anfangs lief alles gut. Dann aber kam die Entlassungswelle. Mancher wurde in den Vorruhestand geschickt – andere wurden arbeitslos. Arbeitslosigkeit kannten wir nicht, und so bereitete uns nicht vordergründig die Arbeitslosigkeit finanzielle Problem sondern der Zustand nicht mehr gebraucht zu werden.
Ich persönlich habe wohl bis zum 65. Jahre gebraucht bis ich den Zustand eines Asozialen endgültig vergessen konnte – obwohl ich mich über ABM in die Rente geschleppt habe. Wohl dem, der Arbeit hatte bis zum endgültigen Rentenalter und diesen Zustand der Arbeitslosigkeit nicht durchleben musste. Heute als Rentner – und das meine ich ernst – hat sich das Blatt gewendet. Wohl alle haben ein gesichertes Auskommen und müssen nicht fürchten, von Hartz 4 zu leben.

Ein Problem aber haben wir wohl alle. Sind wir ehrlich, so wünschen wir uns manchmal mehr Zeit für die Familie, für die Kinder und Enkelkinder. Das Sprichwort trifft zu: Rentner haben niemals Zeit!

Meine Worte sollten ein kurzes Resümee gewesen sein. Ich möchte schließen mit zwei Gedanken:

 ----- Wir haben alle ein schönes Alter erreicht. Möge der liebe Gott, der Onkel Doktor oder wer auch immer dafür sorgen, dass wir noch ein paar Jahre bei erträglicher Gesundheit und klaren Verstand leben können.
-------- Ich persönlich wünsche Euch und auch mir selbst eine angenehme Feier,  positive Ereignisse, die in Erinnerung bleiben, um Mut zu machen - trotz der vielen   Wehwehchen, - die jeder von uns hat wieder am nächsten Klassentreffen teilzunehmen und heute viele anregende Gespräche über Vergangenes, über die Gegenwart und die Zukunft. 

Danke lieber Fritz für diese wertvollen Worte. Wir wollen sie gerne in Erinnerung behalte!

Weitere Redner an diesem Abend waren: Unser Klassensprecher oder -vertreter, Gerhard genannt Fips Müller und unser ehemaliger Dozent Werner Alisch - auch Ihnen herzlichen Dank!

Auf dieser Seite findet Ihr zunächst die Festrede und anschließend die Fortsetzung des Berichtes

... nach der Verabschiedung der abreisenden Meetingfreunde blieben zu weiteren Ausflügen die Familien Degenhardt, Leseberg, Nienke und Gastgeber R. Schmidt zusammen. Dabei ging es zur Göltzschtalbrücke einschließlich Fahrt mit einem Fesselballon. Danach  verabschiedeten sich dann Degenhardts und wir fuhren ins Hotel damit der Onkel mit Johanna noch Zeit zur Vorbereitung des Nachtessens hatte, zu dem er bekanntlich alle eingeladen hatte! Bei einem gemütlichen Abend genossen wir (Nienkes und Lesebergs) die Gastfreundschaft von Johanna und Onkel. Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam zur Talsperre Pöhl, machten einen Rundgang mit Schifffahrt und fuhren letztlich noch nach Bad Elster. Am Abend wurde als sportlicher Abschluss noch gebowlt. Leider konnten wir keinen Gewinner küren, da vielleicht zum Glück die Bowlingbahn nicht so wollte, wie wir es vorhatten!

Die Göltzschtalbrücke vom Ballon aus gesehen
Technische Daten der Göltzschtalbrücke
Mit dem Fesselballon ging es 150 m hoch
Im Fesselballon in einer Höhe von 150 m
Der Schatten des Ballons

Nach dem Besuch der Brücke fuhren wir ins Hotel und anschließend zum Onkel

Onkels Gewächshaus
Abfahrt vom Bahnhof Schöneck nach Auerbach
Karin in freudiger Erwartung
Künstler Franz fror immer

Übrigens haben wir beim Onkel noch eine stolze Ernte eingefahren: Es gab reichlich Tomaten, Walnüsse und Pflaumen zum mitnehmen!

an der Talsperre Pöhl
Das wunderschöne Ufer mit Spiegelbild
Blick auf das Schiff und die Talsperre
Die Autobahnbrücke am anderen Ende der Talsperre
Franz: So wollte ich auch das Bild fotografieren!
Hannelore mit Schwan in Bad Elster
Hannelore und Karin im Park
Bad Elster - Hauptgebäude

Bad Elster war einfach nur schön!

Blick von der Burgruine in Schöneck auf das Hotel
Der Marktplatz von Schöneck mit Blick nach Westen
Vom Hotel aus hatten wir jeden Abend diesen herrlichen Sonnenuntergang
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