Die Lage von Narbonne auf der Straßenkarte.Es hat uns schon immer gereizt einmal eine Bootsfahrt zu unternehmen und nun wurden wir von unserem Freund Alex im Oktober 2005 dazu eingeladen. Aber wegen der Temperaturen im Oktober ging es weiter südlich, nach Südfrankreich auf den Canal du Midi. Der legendäre Kanal, heute Weltkulturerbe,  wurde unter Leitung von Pierre Paul Riquet bereits im 17. Jahrhundert gebaut. Er bildet die Grundlage dafür, dass man mit dem Boot vom Mittelmeer bis zum Atlantik fahren kann. Weitere Details hierzu kann ich mir sparen, denn es gibt Literatur und Internetpräsentationen ohne Ende zu diesem Thema. Die Manifique im SchnittStartpunkt war “Narbonne”, eine Stadt, die lange Zeit die wichtigste römische Kolonie ausserhalb Italiens war. Unsere Anreise von Magdeburg ging über Zürich (~800 km) und von hier nach Südfrankreich bis Narbonne (~870 km).
Hier übernahmen wir unser Boot vom Typ Manifique mit 4 Kabinen und für 5 Personen mit reichlich viel Platz. Unser grundsätzliches Ziel war Carcassonne und den weiteren Verlauf der einwöchigen Schiffsreise wollten wir vom Erreichen unserer Tagesziele abhängig machen. Nachdem wir also am Montag gegen 18 Uhr das Boot übernommen hatten ging erst einmal zum Supermarkt, um uns mit Lebensmitteln für eine Woche einzudecken und anschliessend gingen wir zum Nachtessen im Zentrum von Narbonne. Was weniger schön war, ist die Tatsache, dass es mit unserem Eintreffen anfing zu regnen und die Aussicht für den nächsten Tag war Regen, Regen ...
Wenn der Titel der Reisebeschreibung auch Canal du Midi lautet, so ist dies doch ein wenig geschwindelt. Denn Narbonne liegt am Canal de la Robine und über diesen sowie mit den Verbindungskanal Canal de Jonction erreicht man den Canal du Midi.

Narbonne mit Canal de la Robine in Richtung Norden
Ein Kanalbier auf dich!  Prost!
Wechselbilder

Das nachfolgende Wechselbild zeigt 9 verschiedene Kanalansichten

 

Lageplan  des Hafens  von Argens-Minervois
Schloss von Argens-Minervois vom Hafen aus gesehen.

Dieser Streckenabschnitt auf dem Canal du Midi nennt sich “Grand Bief” und ist ~ 54 km schleusenlos von Argens bis Fonserannes. Wir, die nun Richtung Westen fuhren, hatten rund 17 km ohne Schleusen vor uns. Unser Ziel war das schöne Dorf Argens-Minervois. In dem Port Occitanie des Dorfes wollten wir übernachten. Da es eine Stromversorgung gab konnten wir im Hafen Duschen und die Klimaanlage nutzen ohne den Schiffsmotor zu nutzen. Das Dorf hat ein Schloss aus dem 14. Jahrhundert. Besonders zu erwähnen ist noch, dass auf diesem Streckenabschnitt die erste “Kanalbrücke” Frankreichs über das Flüsschen Re`pudre passiert. Es ist eine der wenigen Kanalbrücken, die Riquet selbst gebaut hat - Fertigstellung 1676! Auf der Welt soll es die zweite Kanalbrücke gewesen sein. Die Schleuse von Argens erreichten wir 20 Minuten vor 18 Uhr. Bekanntlich läuft ab 18 Uhr an den Schleusen nichts mehr und es war die 1. Schleuse mit Bedienpersonal. Eine Frau machte mir klar, dass wir als 2. Schiff die Schleus passieren dürfen, aber es war weit und breit kein 2. Schiff zu sehen. Also rief ich Alex, der ein ausgezeichnetes Französisch spricht, damit er das klärt. Mit 5 € war sie dann auch zu bewegen uns zu schleusenSchleusenwärtein bei der Arbeit, diese Dame war keine Freundin der Technik.. Als wir oben waren, es war in der Zwischenzeit 18 Uhr, öffnete sich das Stemmtor nur ein drittel und die Dame Dieser Schalter wurde uns bald zum Verhängniswar nicht in der Lage das Problem zu lösen. Zum Glück war noch ein Herr anwesend, der das Stemmtor öffnen konnte. An dieser Stelle möchte ich gleich noch erzählen, dass die gleiche Dame auf der Rückfahrt wieder ein Stemmtor zum Stehen brachte. Hier mussten wir warten bis ihr Chef mit dem Auto kam und ebenfalls mit ein paar Tastenbewegungen das Problem behob. Im Hafen haben wir problemlos festgemacht. Unsere Jungs haben über und unter Deck rumgetobt, bis Nicolas ins Wasser fiel. Zum Glück ist nichts passiert und so war es für alle der Spass des Tages! Morgen geht’s nach Trebes.

Grundsätzlich kann man fast alle Gewässer in Frankreich führerscheinfrei befahren. Man wird kurz eingewiesen und schon gehört einem das Boot. Alex ist ein erfahrener Bootsführer und Segler mit allen erforderlichen Papieren. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass man so einfach mirnichtsdirnichts auf ein 14,5 m langes Boot geht und dieses durch Kanäle, Schleusen und schmale Passagen manövriert. Einschliesslich anhalten vertäuen und sichern. Alex brachte mir die 3 wichtigsten Knotenarten bei und heute kann ich sagen, dass ich es mir zutraue ein Boot zu steuern und heil wieder abzuliefern. Aber es war schon diese Woche Praxis nötig.So nass kann man werden, wenn es schifffft ohne Ende, man darf nur nicht den Humor verlieren!
Am Dienstag starteten wir dann nach dem Frühstück in Richtung Norden. Nach einem halben Kilometer kam schon die erste automatisierte Schleuse “Gua”. Es goss in Strömen. Alex steuerte und ich war für die Schleuse zuständig. Ausgerüstet war ich mit einer guten Segeljacke und mit Trainingshose und Indoor-Turnschuhen. Nach 4,5 km kam die 2. Schleuse “Raonell” und ich war ab der Trainingshose pitschenass, sodass ich erst einmal Badelatschen anzog. Später riss mir die Trainingshose von vorne bis hinten auf und ich entschloss mich nunmehr nur noch mit Turnhose und Segeljacke zu schleusen. Die nebenstehenden Karte und Folgekarten zeigen die Hubhöhe der Schleuse und die jeweilige Kilometer genau an. Als Kartenmaterial war die Karte Nr. 7 MIDI, CAMARGE; AQUITAINE der E`ditions du Breil ISBN 2-913120-04-0 an Bord. Diese Karte habe ich mir nach der Reise für 1€ bei ebay ersteigert! Dieser Kanalführer ist dreisprachig (F;E;D) ausgeführt und ideal für die Routenführung und -planung. Nach weiteren An fast allen Häusern an den Schleusen  befinden sich solche Hinweistafeln ~4km kam die nächste Schleuse “Moussoulens” und dann kam eine nach der anderen -Gailhousty - Salle`les -St Cyr - Argeliers - Empare - Truilhas  und Cesse. Danach ging es in den Canal du Midi in Richtung Westen. An den Häusern der Schleusenwärter befinden sich Hinweistafeln zu den Schleusen. Die Häuser an den automatisierten Schleusen sind inzwischen meist unbewohnt.

Auf diesem Streckenabschnitt gab es zwei Besonderheiten: a) Die Schleuse Gailhousty ist eine Doppelschleuse. Der untere Abschnitt ist eine Reparaturstelle für Lastkäne oder auch Boote. b) Zwischen dieser Schleuse und der davor “Moussoulens” fährt man ein Stück auf dem Fluss “l’Aude” und man muss genau die Streckenführung einhalten, sonst läuft auf Grund. Siehe Karte nach dem Wechselbild.
Beinahe habe ich es vergessen! Nach dem Start oder nach der ersten Schleusung gehört ein Bier für die Skipper zum “MUSS”. Glücklicherweise sind 0,5 Promille zulässig.

Er war ganz ausdauernd oder sehr ausgehungert, kam dem Boot schon entgegen.
Ja, nun gib schon!
Spielen war seine Welt!
Die Ruhe in Person, irgendwann erbarmt sich doch einer.
Er war etwas überfüttert, aber trotzdem hungrig! Fast ein Rollmops

So wie man den Schleusenwärtern ein ”pourboire” gibt,  erwarten und erhalten die Hunde eine Kleinigkeit zu futtern.

Nach der “Künstlerschleuse” kamen noch die Schleusen St-Martin, Fonfile, Marseilette und Trebes. Es waren alles Schleusen mit 2 oder 3 Stufen. Wir legten mitten im Dorf Trebes an und der Zufall wollte es, dass wir direkt vor dem Informationszentrum lagen. Da wir es nicht mehr bis Carcassonne geschafft hätten übernachteten wir hier und fuhren mit dem Taxi zur Altstadt mit seiner Burganlage aus dem 12. Jahrhundert. Die gut beleuchtete Altstadt mit Burg haben wir noch kurz erkundet, um dann unser Nachtessen in einer schönen traditionellen Gaststätte einzunehmen. Mein Ziel war das für die Gegend und besonders für Carcassonne bekannte Gericht “La Cassoulet”. Ein Eintopfgericht mit Schweinebauch, Bohnen, Würstchen und Ente. Eifach eine Klasse für sich, für den, der dieses kräftig, deftige Gericht verträgt und mag.

Die Figurengruppe setzte sich ausgelöst durch einen Bewegungsmelder in Bewegung.
Ensemble 1
Briefkasten
Frau mit Mann
Beim Öffnen des Stemmtores half er mit!
Ensemble 2 mit richtigem Hund- bissig!

Hier ein kleiner Ausschnitt der lustigen und skurrilen Objekte! Alles käuflich.

... und weil es so schön ist - noch etwas völlig Nebensächliches - ein paar Hunde “Toutou”

Burganlage mit Altstadt von Carcassonne
Die Gaststätte in der Altstadt von Carcassonne
Ein Kunstgewerbeladen in der Altstadt von Carcassonne

Am Donnerstag ging es früh zurück in Richtung Narbonne, mit dem Ziel das Mittelmeer zu besuchen. Wie ihr seht, das Wetter wurde immer schöner und ab ging die Post! Wir schafften es schliesslich bis Le Somail. Hinter dem Dörfchen haben wir auf der linken Seite geparkt und die Nacht verbracht. So hatten wir am nächsten Tag (Freitag) nur wenige Kilometer bis zur 1. Schleuse auf dem Canal de Jonction, der Schleuse Cesse. Erwähnen sollte man, dass der Kanal und der Fluss l’Aude die Grenze zwischen zwei namhaften Weinbaugebieten bilden, dem Minervois und dem Corbie`res. Sie gehören zum grössten zusammenhängenden Weinbaugebiet der Welt!

Alex und Wolfgang als Skipper  mit Ziel Mittelmeer. Genauer: Port-la-Nouvelle!
Parken am Ufer hinter Le Somail.
Karin in der Kombüse bei der Vorbereitung des Nachtessens.

Am Freitag fuhren wir in Richtung Port-la-Nouvelle, dem drittgrössten Mittelmeerhafen von Frankreich. Dazu mussten wir zunächst die vielen Schleusen bis Narbonne zurückfahren. Die Stadtschleuse in Narbonne wird mit einem Drehgriff, der über dem Kanal hängt, während der Fahrt betätigt.

Hinter dieser Schleuse haben wir im Stadtgebiet angehalten und auf dem Oberdeck unseren Mittagstisch gedeckt. Anschliessend fuhren wir zum Seehafen. Dieser Streckenabschnitt mit einer Länge von ~ 22 km hat nur noch zwei Schleusen, die Schleuse Mandirac und Ste-Lucie. Die Landschaft hat sich völlig verändert und die längste Strecke führt entlang zwischen mehreren Binnenseen bzw. Bodden. Hier werden sie als E´tang - Teich oder Salin - Saline (Salzgewinnung/werk) bezeichnet.

Die Kanalstrecke  von Narbonne nach Port-la-Nouvelle
Die Fahrt in Richtung Port-la-Nouvelle zwischen den "Teichen"!

Im Seehafen angekommen machten wir eine kleine Hafenrundfahrt, obwohl es für Charterboote nicht erlaubt ist. Es hat uns jedoch keiner daran gehindert und zu diesem Zeitpunkt war auch gerade kein Verkehr im Hafen, Liegeplatz vor dem Seehafenkein grösseres Schiff kam oder verliess den Hafen. Am vorgesehen Liegeplatz fanden wir auch einen schönen Platz, machten fest und anschliessend einen kleinen Stadtbummel. Zum Nachtessen fuhren bzw. gingen wir die Hafenstrasse entlang bis zum Mittelmeer. Hier fanden wir ein schönes Fischrestaurant. Mir gefiel besonders gut eine französische Fischsuppe als Vorspeise, wie ich sie noch nicht kannte. Zur Fischsuppe gab es kross geröstetes Weissbrot, welches mit Knoblauch eingerieben und einer Paste bestrichen in die Suppe gelegt wurde. Dann ass man die Suppe mit dem in der Zwischenzeit aufgeweichten Brot - köstlich! Unsere Jungs hatten auch grosses Gefallen an den verschiedenen Gerichten und es wurde hin- und herprobiert. Am nächsten Morgen fuhren wir in aller Ruhe nach einem letzten Frühstück mit frischen Baguette nach Narbonne. Pünktlich 12 Uhr gaben wir das Boot zurück.

Brücken an der Hafeneinfahrt vom Kanal kommend.
Der Seehafen von Port-la-Nouvelle während unserer Hafenrundfahrt.
Die Fischsuppe mit Koblauch, Creme und Käse.
Die Fischplatte, eine wirklich gute Zusammenstellung.
Cedric und Nicolas vor dem Restaurant. Sie mussten sich vorher noch etwas mit dem Fahrrad austoben.
Nicolas schmeckte es ganz besonders und er probierte von allen Gerichten.

Nachtessen in
Port-la-Nouvelle

Alter Lastenkahn, der heute als Hausboot genutzt wird, dahinter eine Kanalbrücke.
Die typische Schleusenform.
Ein alter Lastenkahn, wie er für den Weintransport genutzt wurde.
Wolfgang als Skipper!
Sicherungsstange in einer Schleuse, wenn es mal ein wenig höher gehen musste.
Alte Holzdichtung eines Stemmtores.
Die moderne Gummidichtung eines erneuerten Tores.
Die Schieber an einem Stemmtor werden für die Flutung geöffnet. Ältere mit Zahnstangen, neuere mit Hydraulik.
Mit diesen Handrädern mussten früher alle  Tore, Schieber etc. bewegt werden.

...ein paar abschliessende Fotos!

Karin beim Sichern des Bootes während der Flutung der Schleuse.
Fix und foxi sind Karin und Alex nach dem Beladen des Fahrzeuges
Frankreich mach's gut!

Lebe wohl Frankreich mit deinem wunderschönen Canal du Midi!

Mittwoch: Mit frischen Baguette aus einem nahen Tante-Emma-Laden gestärkt konnte das nächste Ziel Trebes - Carcasson angesteuert werden. Gegen Abend hatte es gestern aufgehört zu regnen und so wurde es nach und nach immer heiterer. Wie man auf der Karte links erkennt, kam bereits nach gut 1 km die Doppelschleuse Pechlaurier. Ab diesem Streckenabschnitt gab es nur bediente Schleusen. Es folgten Ognon, Homps, Jouarres, Puiche`ric und Aiguille. Dieser Schleusenwärter ist ein Holzschnitt- Künstler und ein paar seiner phantasievollen Skulpturen habe ich aufbereitet. Er hatte schon in Deutschland ausgestellt und sprach ganz gut Deutsch

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Bootsferien
auf dem Canal du Midi