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Details vom Studienalltag
The Details of Study Everyday Life

Fritz Degenhardt der Autor dieser SeiteDie nachfolgenden Protokolle wurden von Fritz Degenhardt redaktionell bearbeitet. Als wir diese Protokolle bei unserem Absolventenreffen 2003 vortrugen wurde viel gelacht.  Interessant war aber auch, dass wir eigentlich daran gar nicht mehr gedacht hatten und kaum einer wusste wer in unserer FDJ-Leitung vertreten war. Selbst Leitungsmitglieder hatten es vergessen.  Vielen Dank Fritz!

Fritz ist seit 2007 mit einer eigenen Homepage präsent: www.fritz-degenhardt.de

Auszüge
aus Protokollen der FDJ-Leitungssitzungen und -Versammlungen unserer Studiengruppe, denen,
                        betrachtet nach 40 Jahren, eine gewisse Ironie nicht abzusprechen ist
.

Protokoll über die Leitungssitzung am 28.11.1958

- Anwesend:    Klassenlehrer Herr A...
                        Jugendfreunde  - Mitglieder der SED (Genossen) 1
                        Jugendfreunde der FDJ-Leitung 5
                        Jugendfreunde 21

 - Kompaß der Gruppe IF 1.1 

            II.  100 %-ige Teilnahme am Studiennachmittag
            III. Durchführung einer monatlichen Gruppenversammlung zur Orientierung
                  über die Weltlage
            IV. Jedes Lernaktiv liest die „Junge Welt“ oder das „Neue Deutschland“.
            VI. Wir wollen erreichen, daß jeder bis Ende April 1959 schwimmen kann.
            VII. Die FDJ-Gruppe verpflichtet sich, geschlossen an der Reservistenausbildung
                    der NVA teilzunehmen.
            IX. Wir verpflichten uns, auch in Russisch und Elektrotechnik Disziplin zu wahren.
            X.  Wir wollen alles daransetzen, um die schlechten Noten auf ein Mindestmaß zu
                   reduzieren.

Protokoll über die FDJ-Versammlung am 15.12.1958
(Streitgespräch über eine Physikklausur zwischen Lehrer und Schülern)

 Der Jugendfreund F. sagte, daß das Niveau der Physikklausur vom 10.12.1958 viel zu hoch war. Herr K. (Lehrer) antwortete, daß das Niveau der Klausur kaum einer  Ingenieurschule entsprach, sondern dem Niveau des Berufsschulunterrichts. Es sei Tatsache, daß die Aufnahmeprüfungsauswahl an der Ing.-Schule dieses Jahr wesentlich kleiner als im Vorjahr war. Das sollte aber keineswegs menschliche Qualitäten schmälern. Ein Schüler, der nichts schafft, soll sich den Gedanken des Studiumsabbruchs durch den Kopf gehen lassen.
  (Lehrer über seinen Assistenten) Mein Koll. M. ist unfähig, verschiedene Dinge zu tun.
Deshalb habe er ihn den Schlüssel für die Schränke entzogen.
Nachdem der Protokollant H.  erneut behauptete, daß  F. nicht zum Aufrührer und Unruhestifter innerhalb der Klasse geworden wäre, verließ Herr K. den Raum - kam aber nach 20 Minuten zurück.

Verpflichtungen innerhalb der Bewegung Studentenbrigade der Klasse IF 3.1
(Ohne Datum - IF 3.1 deutet aber auf die Zeit Herbst 1959)

 I. Schulische Aufgaben

  1. Jeder Schüler erledigt seine Hausaufgaben. 
  3. Wir wollen bei den Lehrern, deren Unterricht noch nicht  störungsfrei verlief, mehr Disziplin wahren.
     Wir wollen erreichen, daß ein Schüler im Unterricht nur dann spricht, wenn er vom Dozenten dazu aufgefordert
     wird.
     Die Schüler achten darauf, daß der Sportunterricht nicht zur „Raufstunde“ wird.

II. Gesellschaftliche Aufgaben

  2. Jede Woche wird eine Zeitungsschau durchgeführt.
  3. Die Funktionäre der Klasse verpflichten sich, die Schüler mit den neuesten Problemen der Politik vertraut
      zu machen und diese zu erklären.
  4. Im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes verpflichtet sich jeder Schüler zwei Aufbaustunden zu leisten.

 Protokoll über die FDJ-Versammlung am 18.09.1959
 (Statut der FDJ)

Jugendfreund H. sagte, daß die FDJ die Jugendlichen aus Stadt und Land auf „freiwilliger Grundlage“ vereinigt.
Die FDJ fordert, dem Zusammenschluß der Jugend ganz Deutschlands zu dienen.
Sie entzündet in den Herzen der Jugend das Feuer des Hasses und des Abscheus gegen alle Verräter an der deutschen Nation. Die FDJ lehrt die Jugend, die Völker zu lieben und zu achten. In diesem Punkt hat das deutsche Volk besonders viel gutzumachen.
Die FDJ weckt die Liebe zur Arbeit und zum Lernen.

 (2. Zentralratstagung der FDJ)
Jeder lernt ehrlich; Abschreiben, Spicken und Vorsagen wird nicht geduldet. Das läßt in unserer Klasse noch zu wünschen übrig.
Schüler halten ihre Klasse in Ordnung, das kommt in unserer Klasse besonders durch den Anschluß des elektrischen Ofens zutage.

 (Aussprache zum Leistungsstipendium)
Unser Klassenlehrer Herr A. sagte, daß nur der Kritik üben sollte, der daran interessiert ist, das Klassenkollektiv zu festigen, und daß der, der kritisiert wird, diese nicht übel nehmen soll.
Leistungsstipendium erhält nur der, der bemüht ist gute Leistungen zu erzielen
.
In Abwesenheit der Jugendfreundin C. wurde ihr Verhalten kritisiert. Es wird beschlossen in der nächsten FDJ-Versammlung bei ihrer Anwesenheit die Punkte der Kritik zur Sprache zu bringen.

 Protokoll über die FDJ-Versammlung am 27.11.1959

 Anwesend:................

                   Herr A. unser Klassenlehrer fehlte unentschuldigt

 Vorschlag für den Kompaß 1959/60

2. Für den Turnhallenbau gibt jeder Schüler ½ % seines Stipendiums.
4. Die Klasse will wenigstens zwei Exkursionen durchführen.
6. Am Reservistenlehrgang nimmt jeder Schüler teil, soweit er sich dazu gesundheitlich inder Lage fühlt.

 Protokoll über die FDJ-Versammlung am 01.12.1959

 Anwesenheit:

- ........-.
- Entschuldigt haben sich G. und H.
   Die Entschuldigungsgründe sollen in der nächsten Versammlung kontrolliert werden.
- Herr A. und H. verließen die Versammlung vorzeitig ohne Entschuldigung.

 Vershandlungsablauf der Versammlung:

1. Es wurde auf der 3. Zentralratstagung überprüft, wie weit das Programm der Jungend Generation verwirklicht ist.
   Es sollen mehr Technologen ausgebildet werden. Deshalb besteht auch unsere Forderung nach mehr Unterricht in
   Fertigung zu recht.

3. H. erläuterte das Programm der Jungen Generation
- Die FDJ hat Verbindung mit der westdeutschen Jugend
- Der Sieg des Sozialismus muß auch auf ökonomischen Gebiet erfolgen
- Eine Umgestaltung des Denkens ist notwendig
- Der Kampf um den Friedensvertrag wird weitergeführt

4. Vorschläge für das Leistungsstipendium
-  W. zeigt gute fachliche Leistungen. Er ist im Fanfarenzug und Mitglied der SED.
   An Einsätzen zur Versorgung der Bevölkerung der Stadt Roßwein  mit Kartoffeln hat er teilgenommen.
-  E. seine Leistungen sind gut. Er erledigt alle Bücherfragen zur Zufriedenheit. Er übt Kritik, wenn diese notwendig
    ist.
- U.   seine Leistungen sind zufrieden stellend. Er ist Helfer der VP (Volkspolizei)
- H.  seine Leistungen sind genügend. Er ist Abteilungsleiter der GST (Gesellschaft für Sport und Technik)und im
  Nationalen Aufbauwerk beteiligt er sich. Beim Reservistenlehrgang wurde er zum Unteroffizier  befördert.
- W.  seine Leistungen sind genügend. Er ist Helfer der VP. Durch seine Diskussionen  wirkt er sehr fruchtbringend
  in unserer Klasse.
- C.  soll kein Leistungsstipendium erhalten, da sie noch keines verdient. Die Klasse ist  nicht damit einverstanden,
  daß sie ihre Hausaufgaben im Unterricht erledigt
- Die Klasse ist nicht einverstanden, daß  W.   kein Leistungstipendium erhält., da in erster Linie die fachlichen
  Leistungen und die gesellschaftliche Arbeit ausschlaggebend sind und nicht die soziale Herkunft.

5. Unser FDJ-Sekretär F. sagte aus, daß wir keine Verbindung zu unserem Klassenlehrer  haben, da wir bei ihm
    keinen Unterricht mehr haben.
   Bei der Vorgabe der Zuständigkeiten zum Tag des Lehrers hat die Schule ungenügende Organisation gezeigt.
   Wie ist es sonst möglich, daß Herr Dr. F.  von unserer Klasse eine Aufmerksamkeit erhalten soll, obwohl wir bei ihm
   gar keinen Unterricht haben.

6. Es wurde einstimmig festgelegt, daß die Verse in der Bergfestzeitung von keinem übel genommen werden.

 Stellungnahme zum Deutschlandplan

 Wir Schüler haben mit großem Interesse den Deutschlandplan, der vom ZK der SED herausgegeben wurde, gelesen. Wir erklären uns mit seinem Inhalt einverstanden.

 Protokoll über die FDJ-Versammlung am 21.03.1960

 1. Rechenschaftsbericht zur Klassenkasse

Verblieben sind vom Bergfest noch 317,03 DM.
Es werden weiterhin 5,- DM pro Monat in die Kasse eingezahlt.
Außer H., G., U. und D.  nehmen alle Schüler teil am gemeinsamen Lottospiel

 2. Vorkommnisse an der Schule

(Lehrer Herr K. wurde verhaftet und der Spionage bezichtigt)

 Herr A. sprach über die jüngsten Ereignisse an der Schule. Herr K. ist bekannt durch großes fachliches Können. Durch sein gesellschaftliches Verhalten war er aber nicht mehr tragbar, daß er weiterhin Unterricht an unserer Schule gibt. Er hat sein Versprechen, die Schüler im Sinne unseres Staates zu erziehen, nicht gehalten. Er hatte keine ideologische Klarheit. Die geschriebenen Mathematikarbeiten werden deshalb in der Zensurenfestlegung auf dem Zeugnis nicht berücksichtigt.

 4 Schüler müssen sich für ein Jahr in der Produktion bewähren; zwei Schüler erhielten eine Verwarnung. Ihr an den Tag gelegtes Verhalten, im Spaß den Hitlergruß getan zu haben, zeugt von großem Leichtsinn und Übermut.

 Im Zusammenhang mit der Disziplinlosigkeit bei Herrn A. machte F. den Vorschlag, daß Herr A. nicht mehr soviel an die Tafel schreiben sondern lieber diktieren sollte. Dadurch würde Zeit gespart und die Aufmerksamkeit geweckt.. Herr A. bat sich eine Probezeit von 14 Tagen aus.

 Protokoll über die FDJ-Versammlung am 10.10.1960

 Tagesordnung: Erziehung im Kollektiv

 Herr A. erläuterte einleitend, daß jetzt an der Schule ein starkes Lehrerkollektiv besteht. Die Aufgabe ist jetzt auch starke Klassenkollektive zu bilden.
Ziel ist: Lehrer und Schüler helfen sich gegenseitig.

Anordnungen, die von der Schulleitung kommen, werden erst im Rahmen der Funktionäre durchgesprochen. Danach gibt der Klassenvertreter die Anordnungen bekannt., wobei die Funktionäre, die ja schon wissen, worum es geht,  ihn unterstützen.

 Protokoll über die FDJ-Versammlung am 17.10.1960

 3. Wandzeitung
 Es wird beschlossen, daß W.  und H.  verantwortlich sind  für die Wandzeitung, weil sie vom Ernteeinsatz befreit sind.

 4. Arbeitsplan
 g) Jedes Mitglied des Semesters verpflichtet sich, die ihm durch das Klassenkollektiv gestellten Aufgaben gewissenhaft und ernsthaft zu erfüllen. Vorschläge und Abänderungen sind an F.  und G.  zu stellen.

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