Hafenschleuse Magdeburg
Lock 2003 -2010

Signet der StromelbeEin wesentlicher Baustein zur Nutzung der Magdeburger Häfen für über den Mittellandkanal ist eine Niedrigwasserschleuse von den Häfen zur Elbe. Die Elbe führt in mehr als 200 Tage im Jahr Niedrigwasser, also weit unter 4 m Wassertiefe. Die Kanäle werden auf 4 m Wassertiefe gebracht und damit ist es einfach erforderlich die Häfen über eine solche Tiefe anzulaufen. Andernfalls müssten die Schiffe weit vor Magdeburg geleichtert werden und die Wirtschaftlichkeit der Binnenschifffahrt wäre nicht gegeben.
Baubeginn: Ausbau des Rothenseers Verbindungskanals  2002 bis 2007 (95% für 3,1 Mio. €), Niedrigwasserschleuse  2007.
Fertigstellung: Herbst 2012        Plankosten:  ~
45 Mio. € Kurz vor Fertigstellung 43 Mio. €, davon ~ 27 Mio. € vo der EU gefördert.

                Strom und Transportweg Elbe

Die Elbe wird durch Strombaumaßnahmen reguliert, um 95% der Tage im Jahr eine durchgehende 50 m breite Fahrrinne mit mehr als
1,60 m Tiefe zur Verfügung zu haben. Ein wesentlicher Schwerpunkt bildet dabei der Domfelsen in der Stadtstrecke Magdeburg, ihn gilt es “abzuknabbern”.
Nach dem Sommerhochwasser 2002 wurde das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Die Elbe ist 1091 km lang. Davon befinden sich 727 km in Deutschland.

Am Pegel in Rothensee wurden folgende Wasserstände gemessen:
Höchstes Wasser:                                                          8,22m                 18.02.1941
Höchster schiffbarer Wasserstand:     7,06 m
Mittelwasser:                                                                          2,82 m
Mittleres Niedrigwasser:                                     1,28 m                  1986-1995
Niedrigstes Niederwasser:                                 0.76 m           23. u. 25.09.1947
Die Differenz zwischen niedrigstem und höchstem Wasserstand beträgt also
 rund 7,5 m.                           

Lageplan der Elbe im Stadt- und Hafengebiet Magdeburgs

                    Anschluss der Magdeburger Häfen durch eine Niedrigwasserschleuse

Die Hafenschleuse wird nicht so aufwendig gebaut wie die Sparschleuse in Rothensee. Die Hauptabmessungen betragen: 190 m lang und 25 m breit. Das Pumpwerk wird mit 3 Pumpen a 3,5 qm/s Pumpenleistung (Tauchpumpen) ausgerüstet. Die wesentlichen Bauten werden als Massivbau in Flachgründung ausgeführt.
Der Verschluss erfolgt durch hydraulisch betätigte Hubtore, sodass der höchste Punkt von Ober- und Unterhaupt 61, 00 m mNN liegt. Der tiefste Punkt in der Schleuse liegt bei 36,30 mNN. Es geht also ganz schön hoch hinaus. Das ist aber schlicht und einfach der Hydraulik geschuldet, die die Hubtore in eine Höhe heben müssen, dass bei schiffbarem Hochwasser den Schiffen eine ungehinderte Durchfahrt gestattet.
Hubhöhe:                                  1,06 m                 38,64 mNN = GIW’89 - 39,70 mNN = NWSt
                    Max. Hubhöhe  1,86 m                 37,94 mNN = NMW    - 39,80 mNN = Bwo
Die Schleuse wird an das westliche Ufer des Abstiegskanals gelegt, sodass während der ersten Bauphase der Schiffsverkehr als Richtungsverkehr an der Baustelle vorbeigeführt wird. Inder 2. Phase verläuft der Verkehr bereits durch die Schleusenkammer. Das Pumpwerk wird in dieser Phase am Unterhaupt an der östlichen Seite errichtet. Die bisherige Baustellendurchfahrt dient als Kanal zur Wassereinleitung in den Abstiegskanal. Lediglich am Unterhaupt gibt es eine massive Verbindung mit der Ostseite. Über diesen Weg können technische Fahrzeuge den östlichen Oberhauptturm erreichen.
 Pro Tag können 36 bis 42 Schiffe die Schleuse passieren. Eine Prognose vom 10.10.2002 besagte, dass 2015 bis 35 Schiffe die Schleuse passieren werden.
Bei Hochwasser ist die Schleuse “landunter”.

Damit die Magdeburger Häfen mit modernen Schiffen erreicht werden können, ist im Anschluss an die neue Sparschleuse in Rothensee die Verbreiterung des Rothenseer Verbindungskanals (3,3 km) um rund 10 m erforderlich. Außerdem wird eine Begradigung vor der Verzweigung in den Kanalhafen und die Elbe Lageplan der Hafenschleuse zur Sicherung von 4 m Wassertiefe bei Niedrigwasser der Elbevorgenommen. Im Bereich der Brache auf der linken Seite (Richtung Rothensee) soll der künftige Hansahafen angesiedelt werden. Um von den Wasserschwankungen der Elbe unabhängig zu sein, wird im südlichen Abschnitt des Rothenseer Abstiegskanals diese Schleuse, die Hafen- schleuse, gebaut. Sind die Wasserstände der Elbe und damit des Verbindungskanals ausreichend (ca.4 m), bleibt die Schleuse offen. Bei zu niedrigen Wasser- ständen auf der Elbe geht sie in Betrieb und sichert den für 2,80 m Schiffstiefgang erforderlichen Wasserstand. Mit einem Pumpwerk an der Hafenschleuse wird, falls erforderlich,  Wasser aus der Elbe entnommen.
Für die  Einfahrt von der Elbe in den Industrie- und Schutzhafen ist ein Sperrtor geplant. Der vorhandene Absperrdamm zum Industriehafen würde in diesem Fall rückgebaut werden. Im Industriehafen werden heute nur noch 5 % des gesamten Umschlages der Magdeburger Häfen getätigt. Deshalb wird in der ersten Phase diese Maßnahme nicht realisiert. Im Planfeststellungsverfahren von 2004 ist sie jedoch enthalten und kann bei positiver Entwicklung der Nutzung des Industriehafens als zweiter Bauabschnitt aktiviert werden. Das Sperrtor dient in diesem Fall dazu, dass es bei ausreichendem Wasserstand der Elbe (> 4m) kurzeitig zur Ein- oder Ausfahrt von Schiffen geöffnet werden kann.

Modell der Niedrigwasserschleuse
Elbe, Rothenseer Abstiegskanal  mit  eingezeichnetem  Modell der Hafenschleuse

Am 05. März 2008 besichtigte der Freundeskreis des Wasserstraßenkreuzes von der URANIA e.V. Magdeburg erstmalig die im Bau befindliche Niedrigwasserschleuse. Organisiert hatte diese Führung unser Koordinator Lutz Wittkopf und die Führung vor Ort erfolgte durch Herrn Preuß vom Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg. Die Nachfolgenden Fotos zeigen den momentanen Stand der Arbeiten. Gegenwärtig werden die Spundwände zur Begrenzung der Schleuse und zum Bau des Ober- und Unterhauptes gerammt.  Der Schiffsverkehr wird wie geplant an der Ostseite der Schleuse vorbeigeführt. Im Modell ist gut zu erkennen, wie die inneren Schleusenwände abgesenkt sind.

Blick nach Norden
Bohrarbeiten zur Überprüfung der Tonschicht
Schiffbegegnung am Ostufer des Abstiegskanal
Ponton mit Rammkran am Oberhaupt
Blick in Richtung Süden
Links Herr Wittkopf URANIA, rechts  Herr Preuß WNA

Am 13. November 2008 machte der Freundeskreis des Wasserstraßenkreuzes von der URANIA e.V. Magdeburg die 2. Exkursion zur Baustelle der Hafenschleuse. Die Führung vor Ort wurde wieder vom Dipl.- Ingenieur Preuß vom WNA realisiert. Bei der fachlichen Einführung wurde der Baufortschritt erläutert. Wesentlich ist, dass das Oberhaupt trockengelegt ist und das sich beim Unterhaupt die Stahlbauarbeiten in der letzten Phase befinden. Die geplante Uferspundwand im Bereich vor der Schleuseneinfahrt wird nur  450 m statt 750 m ausgeführt. Eine lustige Begebenheit bei dieser Veranstaltung war, Herr Lothar Tölle (heute in unserem Freundeskreis ehrenamtlich tätig) wurde als der “Großvater der Hafenschleuse” bezeichnet und Herr Preuß damit heute als “Vater”. Herr Preuß ist seit 2001 für dieses Projekt verantwortlich.

"Großvater" Tölle und "Vater" Preuß auf der Baustelle der NWS. Auch die Signets an den Helmen drücken diesen Zustand aus!
Die Schifffahrt an der Ostseite der Schleusen-Baustelle funktioniert reibungslos.
Das Oberhaupt der Schleuse 13. Nov.08
Das Unterhaupt der Schleuse am 13. Nov. 08
Verankerungen am Unterhaupt.

Datenblatt der Niedrigwasserschleuse

Lage

Land Sachsen-Anhalt
Stadt Magdeburg
Rothenseer Verbindungskanal km 323+600 bis 325+000

 

Betriebsart

Ferngesteuerte Niedrigwasserschleuse

 

Schleusenbauweise

Kammer in Spundwandbauweise
Häupter in Massivbauweise

 

Hauptabmessungen

Länge
Breite
max. Fallhöhe

190,00 m
25,00 m
1,86 m

Schleusentore

Obertor (Hubtor)
Untertor (Hubtor)

ca. 90 t
ca. 90 t

Pumpwerk

3 Tauchmotorpumpen

je 3,5 m³/s

Bauleistungen

Stahlbeton
Bewehrungsstahl
Erdbewegungen
Nassbaggerarbeiten
Böschungs- und Sohlsicherung
Spundwand
Stahlwasserbau

ca. 9.100 m³
ca. 800 t
ca. 58.200 m³
ca. 196.300 m³
ca. 87.400 m²
ca. 37.000 m²
ca. 2.300 t

Bauzeit

ab 2006 bis 2012

 

Bauherr

Bundesrepublik Deutschland
Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost
Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg

 

Bausumme

 

40,436 Mio. €/ 43 Mio.€  2012

Presseinformation des WSN Magdeburg vom 16.05.2007