Wappen des Kreises ElchniederungAn meinen Geburtsort Herdenau im Kreis Elchniederung habe ich überhaupt keine Erinnerung, denn als ich zwei Jahre alt war zogen wir nach Heydekrug. Heute liegt Herdenau im Kaliningrader Gebiet und gehört damit zu Russland. Vom Erzählen meiner Eltern weiß ich nur noch, dass ich, sobald ich laufen konnte ausgebüxt bin und im Kaufladen Bonbon verlangt habe. Demzufolge müssen wir in dessen Nähe gewohnt haben. Als ich 1937 geboren wurde hieß Herdenau noch Kallningken (bis 1938) und so steht es in meiner Geburtsurkunde. Lustiger Weise schrieb ich meinen Vornamen seit meiner Kindheit mit Bindestrich, aber in der Geburtsurkunde steht er ohne diesen. Erst 2002, als ich wieder einen neuen Pass brauchte war es aus mit lustig!  Beim Pass- und Meldeamt meiner Stadt Magdeburg lässt man zwar zu, dass als Geburtsort Herdenau stehen bleibt, aber der Bindestrich in meinem Vornamen musste weg. Wen stört's? Namen sind eben Schall und Rauch. Übrigens, 1939 wurde das Memelgebiet mit Heydekrug wieder Deutschland und damit Ostpreußen zugeordnet, deshalb der oben erwähnte Umzug. Mein Vater war nämlich Postbeamter und wurde als solcher in Heydekrug gebraucht. Außerdem waren unsere Bindungen zu Heydekrug und Sziesze ohnehin sehr eng. Ein Grund ist auch darin zu finden, dass Herdenau bis 1923 zum Kreis Heydekrug gehörte. Herdenau heißt heute Prochladnoe und liegt in einem militärischen Sperrgebiet. Man benötigt einen Passierschein, auf Russisch - Propusk.
Ende 2004 las ich einen Artikel von Luise (Lies’chen) Trunschel-Pohlmann), die auch aus Herdenau stammt. Der Artikel steht im Heimatbrief  Nr. 40 “Die Elchniederung” Seite 35 und heißt: “Postschaffner Karl Trunschel - Briefträger in Kallningken / Herdenau”. Hierin berichtete sie über die Tätigkeit ihres Vaters als Briefträger und erwähnt dabei meinen Vater Fritz Nienke, der ebenfalls in dieser Zeit in Herdenau Briefträger war. Daraufhin schrieb ich sofort Frau Pohlmann an und fragte sie über unsere Familie. Sie antwortete postwendend und klärte mich auf. Danach hat sie mich im Kinderwagen spazieren gefahren, für meine Mutter Milch geholt etc. Viele interessante Neuigkeiten und Fotos lernte ich kennen und sie sagte auch, wo wir wohnten! Im Postlerhaus hinten, also im gleichen Haus wie ihre Familie. Außerdem stellte sie mir einen von ihrem Mann Hans mit Namen versehen Ortsplan zur Verfügung, den sie gleich sehen können. Leider starb sie am 10. Juni 2008 und so werde ich sie, ohne dass ich sie noch einmal kennen lernen durfte, in Ehren in meinen Gedanken bewahren.

Blick über Herdenau mit Kleinbahn vom Kirchturm
Völkner-Gastaus und Kirche von Herdenau

In dieser Kirche wurde ich getauft (Foto oben). Bei meinem Besuch im Jahre  1998 nahm ich mir einen Stein von der Kirchenruine zur Erinnerung mit. Siehe Foto unten Pfeil
2008 gibt es nur noch wenige Steine der Kirche zu sehen.

Schule in Herdenau - heute Kindergarten

 Foto der Schule von Herdenau, die heute Kindergarten ist!

Ruine der Kirche von Herdenau
Orstplan erstellt von Hans Pohlmann. Der Kern von Herdenau wurde mit Bewohnern eingezeichnet

Mein Elternhaus

In die Heimat zieht’s mich wieder,
dort, wo die Elche sind
wo Mutter sang die alten Lieder,wo ich war als kleines Kind.
Wie möcht’ ich gern dort weilen,
wo man uns fortgeschafft.
Ich müsste mich beeilen,
bald hab’ ich keine Kraft.
Jetzt bin ich alt geworden,
bin aus der Jugend raus,
möchte noch einmal wohnen
im Gebuerts- und Elternhaus.
Doch wird es nicht mehr gehen,
es ist ein fremdes Land,
nur möcht’ ich noch einmal sehen,
wo Elternhaus und Wiege stand.
von Herbert Sreball aus Hohenbertge, jetzt Murten/Schweiz

Bei meinem zweiten Besuch in der alten Heimat im Jahre 1998 wohnten wir in Heydekrug und wollten von hier aus ein paar mal in das Kaliningrader Gebiet. Es wurde leider nur einmal daraus, weil auf unserem Visum der Vermerk fehlte: Mehrmalige Ein- und Ausreise. Dann hatten wir auch nicht diesen Propusk. Man bekommt dieses Scheinchen in Königsberg (Kaliningrad) oder in Tilsit (Sowjetsk) in einer russischen Kaserne und die Anschrift der Kasernen zu erfragen, wenn man dort ist, ist schwierig, wenn das erlernte Russisch nicht mehr gut ist. Wsjo gawno.
Aber diese Hürde haben wir wie folgt genommen: Als wir hinter Kuckerneese an den Militärposten gelangten, haben wir mit Soldaten geredet und meine Frau konnte ihnen begreiflich machen, dass ich in Prochladnoje geboren bin, und dass wir in einer Stunde wieder zurück kommen. Plötzlich sagten sie: Nun paschli ( beeilt euch)! Die nächste Frage von ihnen war: Zigaretten? Wir gaben ihnen welche und 20 DM dazu und hocherfreut verschwanden sie in ihrer Hütte.
Danach besuchten wir Kuckerneese, Schakuhnen und Herdenau. Die Ortschaften sind sehr heruntergekommen. Von Schakuhnen existiert kaum noch etwas. 2008 waren wir erneut hier, siehe meinen Reisebericht
.

Luise Trunschel, im Garten meines Geburtshauses
Luise Trunschel - Pohlmann wohnte zuletzt in Kierspe.

“Lies’chen”
Luise Pohlmann geb. Trunschel meine “Nanny” . 17.Juni 1927 bis 10. Juni 2008
 

Hier wohnten drei Postlerfamilien und es ist mein Geburtshaus
Das Postlerhaus mit Anbau
Das Postlerhaus von der Straßenseite
Das Postlerhaus von der Hofseite  1992 mit Hütte für Milchkannen

Zwei wichtige und interessante Internet-Links:
www.bildarchiv-ostpreussen.de/
www.kreis-elchniederung.de/

 

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Herdenau Kreis Elchniederung / Ostpr.
Village Herdenau in East Prussia