
In Heydekrug (Šilutė --> sprich: Schielute) lebten wir von 1939 bis 1944. Meine Eltern hatten eine Wohnung in der Bauernstraße 5 und später in der Villa der Familie Max Dingfeld in der Adolf-Hitler-Straße 33 , die heute Straße der Litauer (Lietuvininku gatv
es) heißt. Mein Vater war Postbeamter. 1944 wurde ich im Frühjahr eingeschult. Meine damalige Ostpreußenfibel ist noch in meinem Besitz. Vor meiner Schulzeit sowie in den Ferien hielten wir uns sehr viel bei der Großmutter und dem Oheim meines Vaters in Kuwertshof (offiziell Schieß oder Sziesze) an der Sziesze (Schießfluß) auf. Der Onkel meines Vaters, Tischlermeister August Nienke, hatte eine Sarg- und Möbeltischlerei und lebte hier bis 1944, also auch in der Litauischen Republik von 1923 bis 1939. Am Ende dieser Seite gibt es eine Fotogalerie zur 495-Jahrfeier von Šilutė, gegründet am 22. Februar 1511 als Heydekrug.

Von li.: Lina Petrick (Oma), Wolfgang, Fritz Nienke (Vater), Erika Rittberger (Tante), Onkel Kurt , Herta Nienke (Mutter), August Nienke u. sitzend Johanna Nienke mit Bruder Klaus

Brüderchen Klaus mit mir im Kahn. Genau an dieser Stelle passierte es, dass Klaus auf der Flussseite ins Wasser fiel, als wir nach irgend etwas schauten. Das Glück wollte es, dass er als Nichtschwimmer unter dem Kahn durchkam und am Ufer raus kroch während ich auf der Flussseite nach ihm Ausschau hielt. Meine Reformande erhielt ich deshalb, weil ich nicht um Hilfe gerufen hatte, aber dem damaligen Alter oder sonst wie geschuldet - ich hatte es nicht getan. Es war eine Geschichte die immer wieder erzählt wurde und bis heute bekannt ist, denn als wir an dieser Stelle im August 1998 mit dem heutigen Anwohner Bruno Kalweit uns unterhielten, kannte er dieses Ereignis.

Meine Mutter mit Bruder Klaus in der Bauernstraße 5, unsere erste Wohnung in Heydekrug

Pyramide mit Onkel Kurt, meinem Vater und mir

Blick vom Turm der Evangelischen Kirche in Heydekrug auf den Hof der Adolf-Hitler- Straße 33 . Links oben sieht man die Fabrik der Familie Dingfeld in deren Haus wir wohnten. An dieser Stelle ist die Nr. 33. Als Untermieter hatten wir einen Lehrer. Er hieß Dr. Franzmeier

Mit dem Kahn von Heydekrug nach Sziesze. Von links: Lina Petrick, August Nienke, Herta Nienke (stehend) und vorne Klaus

Fritz im Heimaturlaub auf dem Hinterhof der Bauernstraße 5
Ostern in Tilsit, links neben mir meine Cousine Heidi Rittberger Link zum Foto der Taufe von Heidi

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Weihnachten 1942 |
Fotogalerie: Baden in Sziesze und Athmat (Rußstrom)
Besuche in der “alten” Heimat
Mit meiner Frau, die Magdeburgerin ist, haben wir vier Mal die alte Heimat besucht. Das erste Mal noch zu DDR-Zeiten. Im Jahre 1988 fuhren wir mit unseren russischen Freunden von der Unionsrepublik Weißrussland zur Unionsrepublik Litauen. Es war uns damals nicht erlaubt offiziell dorthin zu reisen. Wir hatten von den Verwandten unserer Freunde russische (sowjetische) Pässe ausgeliehen ( ein Wagnis) und haben damit in Memel in einem Privatquartier übernachtet. Wesentlich: “Sprecht kein Deutsch”. Am Bahnhof von Memel (Klaipeda) stiegen wir aus und unser
Freund besorgte eine Unterkunft, während wir uns am Bahnhof umschauten. An einem Kiosk rief ich, der gerne Eis ist, zu unserer russischen Freundin:” Hier gibt es Eis!” Antwort: “Sag nichts, sei still!” ... So war mein erster Einstieg in Ostpreußen nach 44 Jahren. Und der Witz, im nächsten Jahr fiel die Mauer - Perestroika, aber in unseren Köpfen war das damals unvorstellbar. Zum Glück nur in unseren Köpfen!!!
Wir sind unseren russischen Freunden, die im Krieg von uns Deutschen nichts Gutes erfahren hatten dankbar, dass sie uns damals, in 1988, ermöglichten die alte Heimat zu besuchen. Denn eine Aussicht auf Änderung der damaligen Verhältnisse für uns ehemalige DDR-Bürger war weiter als fern. Allein, dass unser DDR- Familienstammbuch trotz Protestes meinen Geburtsort als Volksrepublik Polen ausweist zeugt genug von der Borniertheit der DDR- Administratoren. Jedenfalls war Memel unser Ausgangspunkt, um das Memelgebiet mit Kurischer Nehrung zu bereisen. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch Wilnius, Kaunas (Teufelsmuseum) und das bekannte Bad Polangen besucht.
Unseren zweiten Besuch (22.08. bis 30.08 1998) machten wir dann etwas organisierter, wir buchten über das Reisebüro “ROGEBU” eine Schiffspassage von Saßnitz nach Klaipeda, einen Mietwagen und das Hotel NEMUNAS in Silute (Heydekrug). Von Heydekrug aus starteten wir dann in die Umgebung und auch in das Kaliningrader Gebiet. Siehe hierzu die Seite HERDENAU. Dabei ging es auch um die Spurensuche, das heißt der Besuch der Geburtsorte von meiner Tante Erika, die in Didszeln (Didsiliai) und meiner Mutter, die in Jündszen (Lainai) geboren wurde. Da diese Orte nur noch in Fragmenten existieren, war es schwierig. Es ging fast ausschließlich über unbefestigte Feld- und Waldwege und mit Fragen der litauischen Bewohner, die nicht alle Russisch können. Aber sie waren außerordentlich hilfsbereit und freundlich. Das Haus des Oheims meines Vaters steht heute noch in Sziesze (Sysa) und der neue Eigentümer Bruno Kalweit ist deutschstämmig, vermietet auch Quartiere hat viel Neues gebaut und macht Bootsfahrten.
Unsere Freunde aus Weißrussland besuchten uns während dieser Zeit und so unternahmen wir mit ihnen ebenfalls Ausflüge. So war unsere Fahrt auf die Kurische Nehrung nach Nidden und Schwarzort ein besonderes Erlebnis. Die hier eingebundene Landkarte verdeutlicht die Nähe zwischen Heydekrug und Sziesze. Die alten Fotos im oberen Teil beziehen sich hauptsächlich auf diese Orte. Am Ende dieser Seite findet ihr eine kleine Fotogalerie.
Im August des Jahres 2003 unternahmen wir wieder eine Reise nach Litauen mit Dreh- und Angelpunkt Heydekrug - Silute. Diesen Reisebericht findet Ihr unter “Reisen” ----> “ Litauen 2003”
August ist scheinbar unser Lieblingsreisemonat für das Baltikum, denn wiederum im August 2006 zog es uns nach Litauen. Aus rationalen Gründen fuhren wir dieses Mal mit der Fähre von Rostock nach Ventspils in Lettland. Dann mit eigenem Pkw an der Küste entlang (~ 240 km) nach Palanga. Hier hatten wir unser Hauptquartier in Form eines Apartments. Mehr erfahrt ihr in unserem Reisbericht Litauen 2006.
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Die nachfolgenden Wechselfotos wurden in der 2. Märzwoche 2004 von Asta und Rubenas Bukavickas aus Stankiskiai (Stankischken) aufgenommen. Es zeigt das ehemalige Haus des Tischlermeisters August Nienke in Sziesze / Kuwertshof (Sysa). Leider wird es nur zeitweise bewohnt, dient als Holzlager.


Šilutė bestand im Jahre 2006 495 Jahre.
Diesen Anlass hat die Stadt gefeiert. Ein paar Fotos von dieser Feier hat mir Rubenas Bukavickas zur Verfügung gestellt. Erinnert sei daran, das diese Stadt am 22. Februar 1511 als “Heydekrug” gegründet wurde. Hierüber gibt es zahlreiche Publikationen mit allen heute üblichen Medien, sodass hier keine weiteren Beschreibungen erforderlich sind. Auf einen kleinen Bildband aus Litauen mit alten Fotografien von Heydekrug möchte ich dennoch hinweisen. Er heißt:”Šilutė atvirukuose ir fotografijose” (Heydekrug in Ansichtskarten und Photographie) 2003 ISBN 9955-544-06-6. In diesem Bildband wird in einem Vorwort von Roza Šikšnienė eine, nach meiner Auffassung, (fast)richtige geschichtliche Entwicklung von Heydekrug in einer litauischen Publikation veröffentlicht.
“Blaues Haff und bunte Wiesen, Krähenwald und Weidenstrauch Seid gegrüßt und seid gepriesen! Heimatstadt, du sei es auch!
Wo ein Krug auf brauner Heide Einst den lieben Namen trug, Stehst du nun im neuen Kleide - Wachs’ und blühe, Heydekrug!”
Hermann Sudermann
Das Haus von Johanna und August Nienke
Links: ca. 1940
Rechts: 2003
Unten: 1998