2. Entwurf des Reiseberichtes einer Rundreise über Polen, Kaliningrader Gebiet, Litauen und Polen.

Dann standen wir zufällig alleine an der Schranke für den Grenzbereich. 20 Minuten lief nichts. Dann öffnete sich die Schranke und die polnischen Grenzer kontrollierten unsere Pässe. Dann ging‘s zur russischen Passkontrolle mit kurzer Autokontrolle, weiter zum Zoll. Hier musste man eine Zollerklärung ausfüllen und danach wurde unser Auto registriert. An einem Häuschen auf der einen Seite registrieren, auf der anderen Seite kontrollieren und wieder zum ersten Schalter - es ging nur ums Auto. Danach konnten wir weiterfahren und keiner fragte nach unseren mitgeführten Waren. Nach der Grenzstation wurde sofort getankt. Es gibt immer noch Tankstellen, bei denen man den „Rüssel“ in den Tankstutzen steckt und dann bezahlen geht. Danach läuft die bezahlte Menge Kraftstoff in den Tank. Man muss also vorher einschätzen wie viel Liter in den Tank passen. Nach 790 km waren wir in Königsberg am Südbahnhof. Hier warteten wir auf Oleg vom Reisebüro Swena Tours, der uns die Propuski brachte. Jetzt kam das letzte Teilstück nach Labiau (Pollesk) zu unserer Pension (Gostewoi dom) „Delta“. Es ist eine renovierte Villa mit Gastätte für Pensionsgäste. Die Ausstattung der Zimmer ist gut, aber meckern könnte man darüber, dass es keine Nachttischlampen gibt, Tisch ohne Stühle, zu wenig haken für Handtücher – keine wesentlichen Mängel, aber bei 60 €/Tag schon zu kritisieren. Der Service ist noch im Aufbau begriffen. Preis: DZ 60 € + 2 €/Tag (Passregistrierungstaxe). Anmerkung: Man muss sich zwingend registrieren (anmelden), wenn man sich länger als 3 Werktage im Kaliningrader Gebiet aufhält. Unser Beispiel: Wir reisten Samstag ein und blieben bis Mittwoch im Gebiet. Samstag und Sonntag zählen nicht und wir reisten am dritten Werktag aus, somit brauchten wir uns nicht anzumelden. Größere Hotels haben meist die Berechtigung zur Passregistrierung. In Tilsit (Sowjetsk) wäre eine Anmeldung im Hotel „Rossija“ möglich. Lustig war, dass jeden Tag eine andere Dame Dienst hatte. Am ersten Abend haben wir mit unserem „Restrussisch“ mit Mühe unser Abendbrot bestellen können. Die Dame des ersten Tages, so stellte es sich am Dienstag heraus, war deutschstämmig, kam aus Kasachstan hatte ihren russischen Ehemann zum Teufel gejagt und verstand leidlich Deutsch. Sie hatte zwischenzeitlich die Menükarte ins Deutsche übersetzt.

     2.  Reisetag  Sonntag  22. Juni 2008

In Deutschland hatten wir uns schon mit Manfred Romeike und Hartmut Dawideit dahingehend verabredet, dass wir in Heirichswalde an einem evangelischen Gottesdienst in der teilweise renovierten Kirche teilnehmen. Somit starteten wir am Sonntag rechtzeitig, um am Gottesdienst um 10.00 Uhr teilnehmen zu können. Wir trafen uns  im Gemeindezentrum, wo Manfred Romeike mit seinem Sohn übernachtete. Den Gottesdienst leitete Pfarrer Igor Ronge auf Russisch. Es gab einen Ablaufplan in Deutsch und die Gemeindeschwester Lydia Lobakina half uns beim finden der Lieder und Gebete, die in beiden Sprachen vorlagen. Zum Abschluss wurde das Abendmahl gereicht. Die Gemeinde hat 63 zahlende Mitglieder und die weitere Renovierung ist Abhängig von Spenden, denn weitere offizielle Mittel aus Deutschland gibt es nicht mehr. Nach dem Gottesdienst gingen wir zurück zum Gemeindezentrum. Hier gab es einen kleinen Imbiss und es wurden an Gemeindemitglieder spenden der Landsmannschaft verteilt.

Den weiteren Tag gestalteten wir mit Familie Bärbel und Hartmut Dawideit. So fuhren wir zuerst über Kuckerneese (Jasnoe) nach Herdenau (Prochladnoe). Vor Kuckerneese ist der Militärposten zum Sperrgebiet und hier muss man den besagten „Propusk“ haben und vorzeigen. Wesentlich für alle Fahrten ist, dass man nur Straßen fahren sollte, die auch offiziell in einer aktuellen Landkarte verzeichnet sind. Beachtet man das nicht so endet garantiert in einer Sackgasse oder im Gelände, denn viele Wege und Straßen existieren nicht mehr oder sind unpassierbar. Nach Herdenau fuhren wir zum Jagdhaus Pait, besichtigten es und machten und machten hier eine Kaffeepause. Das Jagdhaus ist schon weitgehend renoviert, aber z.B. das Dach ist nicht gemacht. Nach dem Jagdhaus fuhren wir nach Inse (Prizaly), dem Geburtsort von Hartmut Dawideit. Hier kennt die Familie Dawideit mehrere russische Familien, denen wir einen kurzen Besuch abstatteten. Abschließend fuhren wir nach karkeln (Mysowka), das auch wie Inse unmittelbar am Kurischen Haff liegt. Hier suchten wir Olga, eine Deutschlehrerin von der Schule in Herdenau, weil wir der Schule einen PC spenden wollten. Wir bezweckten sicher gehen, dass wir in der Schule jemand in den Ferien antreffen. Olga nimmt ein Jahr frei (Babyjahr), aber die Direktorin wohnte auch in Karkeln und die versicherte, dass wir am nächsten Tag in der Schule unsere Spende abgeben können. Die Schule ist auch in den Ferien ständig besetzt, denn viele Schüler werden in den Ferien dort betreut. Dann ging es zurück nach Labiau zur Pension.

    3.  Reisetag  Montag  23. Juni 2008

Heute war unserer eigener Spendentag. Wir machten uns auf den Weg, um der Schule in Herdenau (Prochladnoe, übersetzt „Die Kühle“) einen vollständigen Computer (gebraucht) zu schenken oder spenden, wie man es sehen möchte. Vollständig bedeutet: PC, 19“ Monitor, Maus, Tastatur, Drucker, Internetkamera, Fotopapier, eingebaute TV-Karte, Verteiler etc. Wir waren angemeldet und wurden von der stellvertretenden Direktoren Frau Larissa Dimitriewna Werbitzkaja und der Deutschlehrerin Julia Wiktorowna Bokschitz empfangen. Man sagte uns aber, dass Frau Bokschitz ebenfalls eine stellvertretende Direktorin ist. In der Schule war richtig was los. Schüler und Lehrer waren mit Pflegearbeiten beschäftigt. In der Schule werden 208 Schüler aus der ganzen Umgebung in den Klassen 1 bis 11 unterrichtet. Gelbe Schulbusse sind uns mehrfach auf den Straßen begegnet, auch wenn gegenwärtig Ferien waren. Im Direktorenzimmer wurden wir mit Schnittchen, Kuchen, Kaffee und Tee bewirtet und konnten uns Dank der Deutschlehrerin gut unterhalten. Danach ging es weiter zum Jugendklub, der auf Initiative von Jürgen Leiste ins Leben gerufen wurde. Der Jugendklub (früher Gasthaus Völkner)liegt im Zentrum von Herdenau gegenüber dem Gemeindeamt (frührt Gasthaus Mitzkat). Da der Klub geschlossen war gingen wir zum Bürgermeister und baten ihn um Hilfe. Wir wurden ohne Umstände freundlich empfangen und von der Sekretärin sofort vorgelassen. Der Bürgermeister, Herr Walentin Iwanowitsch Kowerdjaew hieß uns herzlich willkommen. Bürgermeister ist meine Auslegung: Leiter des territorialen Gebietes von Herdenau könnte die richtige Amtsbezeichnung sein. Mit unserem schlechten Russisch konnten wir uns so gut verständigen, dass er die Leiterin/Verantwortliche des Klubs telefonisch verständigte und er holte aus der Schule persönlich noch eine Deutschlehrerin, deren Namen ich leider nicht behalten habe. Im Jugendklub „Antropos“ übergaben wir unsere Spende für den Klub – zwei Nähmaschinen und zwei Sporttaschen mit Kleidung. Danach gingen wir mit der Lehrerin zu meinem 100 m entfernten Geburtshaus, dem ehemaligen „Postlerhaus“. Es ist noch bewohnt und wir konnten auch in das Haus zu einem heutigen Bewohner. In diesem Haus wohnten damals 4 Familien und die Gesamtanlage sieht so aus, als wenn es zu Sowjetzeiten auch so war. Jedenfalls deuten die Eingangsvorbauten darauf hin. Ansonsten sieht es ziemlich marode im und um das Haus herum aus. Herdenau ist nach meiner Auffassung ein untergehendes Dorf, keine Firma, keine Landwirtschaft – eben nur zentrale Schule, Kindergarten, aber was kommt dann? Der Besuch meines<Geburtshauses wurde leider abrupt durch ein Gewitter beendet. Wir rannten zum Jugendklub, die Lehrerin nachhause und im Jugendklub trafen wir Manfred Romeike mit Sohn Dirk. Manfred war auch in seinem Geburtshaus gewesen. Wir bekamen einen Prospekt vom Kreis Heinrichswalde mit dem englischen Titel „Slavsk District“. Werbung für die Region in Englisch. Obwohl sicherlich gegenwärtig mehrheitlich deutsche Touristen diese Gegend besuchen. Andererseits möchte man Informationen und Dokumente zur deutschen Vergangenheit haben und dokumentieren – so der Bürgermeister. Geplant und begonnen wurde in der Region Heinrichswalde ein Radwanderweg mit 14 Raststellen. Abschließend eine Bemerkung zum Gemeindehaus von Herdenau, das innen und außen marode ist. Ja, die Räume des Bürgermeisters sehen einigermaßen aus. Aber mehr auch nicht. Die Toilette befindet sich als Plumpsklo neben dem Jugendklub auf der anderen Straßenseite unterhalb der Kirchenruine. Schlimm und das nach 45 Jahren Sowjetherrschaft und inzwischen nach 18 Jahren Russland. …..Do swidanija liebes Herdenau!

Auf nach Schakendorf, dem Geburtort meines Vaters. Heute heißt das Dorf Lewobereschnoe (übersetzt: „Am linken Ufer“ – gemeint ist hier der Ruß). Wir kamen während eines Gewittergusses an. Einen jungen Maulwurf hatte es aus den Gängen getrieben und er lief über die Straße um sich einen Gang zu graben. Dann sahen wir uns näher um. Es stehen vielleicht noch maximal ein Dutzend Häuser. Soweit mir bekannt ist wurde das Dorf bereits im Frühjahr 1946 mit einem ungewöhnlich starken Hochwasser größtenteils ins Haff gespült. Da ich Null Ahnung hatte wo das Haus meiner Großeltern und Geburtshaus meines Vaters gestanden hatte machten wir uns auf den Weg nach Kuckerneese.

Hier lebten ~ 4.500 Einwohner mit Schulen, Fernmeldeamt, Bahnhof, Ziegelei, Mühle, Kino, Sportplätze etc. und heute nur noch marode Reste. Erwähnenswert ist vielleicht das 1929 eingeweihte Postamt, hier ist ein Krankenhaus untergebracht. Die Kirchenruine kann auf Grund ihrer Stabilität sicherlich noch 100 Jahre von einer ehemals blühenden Kultur zeugen. Über ein Loch kann man in die Kirche einsteigen. Heute ist es für Kinder und Jugendliche gelegentlich ein Abenteuerspielplatz. Da von mir Verwandte hier in der Dammstraße gewohnt hatten, war unser Ziel diese Straße mit seinen ehemaligen Beamtenhäusern. Hier wohnen aber kaum noch Menschen und wenn, dann sehr ärmlich. Im Vergleich zu Heinrichswalde oder Labiau, wo bereits Häuser renoviert werden, passiert hier nichts. Eigenartiger Weise steht immer noch der Kandelaber auf dem Marktplatz, allerdings ohne Uhr, aber mit frischen Farbtupfern.

Tilsit, heute Sowjetsk, ist als größere Stadt im Aufbruch begriffen, hier spürt man den Fortschritt. Schade ist, dass die Luisenbrücke als Grenzübergang zu Litauen nicht betreten werden kann. Dafür hat Tilsit seinen Elch wieder und ich konnte ihn, wie schon mein Onkel Kurt vor vielen Jahren füttern. Im Hotel Rossija kann man gut übernachten und preiswert Essen. Für ~ 15 € haben wir jeder ein Fischgericht mit Getränken gut gegessen. Im Nachhinein mussten wir feststellen, dass es besser gewesen wäre, wenn man hier seinen Ausgangspunkt für einen Besuch in die Elchniederung gewählt hätte, zumal die Zimmerpreise wie in Labiau sind.

   4.  Reisetag  Dienstag  24. Juni 2008

Heute haben wir uns Königsberg (Kaliningrad) mit einer Fachkundigen Führung vorgenommen. Frau Nagorni aus Berlin, die hier seit vielen Jahren lebt, eine Wohnung in Heinrichswalde und Königsberg hat, engagierten wir für unsere Tour. Da sie von Heinrichswalde kam, verabredeten wir uns in Labiau, um gemeinsam nach Königsberg zu fahren. Auf dem Weg von Labiau führt der Weg durch Groß Legitten (Mordowskoe) mit der unter Denkmalschutz stehenden Ordenskirche aus dem 15. Jahrhundert. Es ist vermutlich die älteste Kirche Nordostpreußens und die Ruine wurde deshalb restauriert. Gr0ß Legitten wurde 1291 gegründet und einmal ~ 500 Einwohner. In Königsberg ging unser erster Weg zum Deutsch-Russischen Haus, einem Zentrum der Begegnung, welches mit deutschen Mitteln vor 15 Jahren gebaut wurde. Hier starten wir unsere Besichtigung von Königsberg mit unserem Auto. Die Kaliningrader fahren chaotisch und aggressiv wie die „Dschigiten“, so die russische Bezeichnung für den Fahrstil. Ein Beispiel: Sie sagt auf einer 5-spurigen Fahrbahn, dass ich auf der dritten Spur fahren soll, weil wir geradeaus fahren wollen. Dann sagt Sie jedoch, dass wir doch links abbiegen müssen. Es lässt aber kein Fahrzeug eine Lücke zum Linksabbiegen. Dann fährt man einfach bis an die erste Position und setzt sich vor das 1. Fahrzeug, also vor die Haltelinie. Das geht deshalb, weil in Russland die Ampeln auf der gegenüberliegenden Seite stehen. Wir fuhren also kreuz und quer durch Königsberg. Erstes Ziel war natürlich der Dom. Großartig, aber ein Wermutstropfen. Man kommt in den Hauptraum nur, wenn man ein Konzert besucht. Die Brücke zum Dom mit den 1000en Schlössern der Vermählten, das neue „Fischdorf“ gehören unmittelbar zum Dom. Und natürlich Denkmäler, wie Julius Rupp, Herzog Albrecht, Immanuel Kant. Weitere Stationen waren der Platz des Sieges (Hansaplatz) mit nahegelegenem Nordbahnhof, der neuen russischen Kirche. Nicht zu vergessen sind die ehemaligen neugotischen Festungs- bzw. Stadttore: Brandenburger , Friedländer, Roßgärtner und Sackheimer Tor sowie Königs- und Friedrichsburgtor. Dann der Dohnaturm mit dem Bernsteinmusem. Ein Abstecher zum Zooeingang, dem ältesten Zoo Europas gehörte genau so zum Besuchsprogramm, wie das zerstörte Schloss mit dem inzwischen verschönertem Haus der Räte und das Theater (Schauspielhaus) mit Schillerdenkmal. Das Schillerdenkmal soll nur deshalb unbeschadet die Kriegswirren überstanden haben, weil ihm jemand ein Schild umgehängt hatte mit der russischen Aufschrift „Das ist ein Dichter“. Abschließend musste unbedingt noch ein T-Shirt mit russischer Beschriftung gekauft werden. Keine Einfache Angelegenheit, aber mit Hilfe von Gertrud Nagorni wurden wir fündig. Wo? Gegenüber den ehemaligen Ausstellungshallen von Ostpreußen – heute „Epizenter“, ein Einkaufszentrum. Dieser Tag war anstrengend und gelungen dank unserer unermüdlichen Führerin, von der wir uns am Deutsch-Russischen Haus verabschiedeten.

     5.  Reisetag  Mittwoch  25. Juni 2008

Nach unserer Verabschiedung von Bärbel und Hartmut Dawideit starteten wir 8.30 Uhr in Richtung Litauen über die Kurische Nehrung. Auf den schönen Landstraßen mit wenig Verkehr fuhren wir zum Grenzübergang und waren die einzigen Grenzgänger. Die russischen Grenz-und Zollbeamten waren ungewöhnlich freundlich und umgänglich. Die litauische Kontrolle, EU-Außengrenze, war kurz und bündig und bereits nach ein paar hundert Metern stoppte uns die Polizei. Wir hatten vergessen das Licht einzuschalten. Für mich ist die Kurische Nehrung bekannt, aber für Sohn Michael neu. Aber er hatte auch noch etwas anderes im Sinn: „Geocaching“. Eine Art moderner elektronischer Schnitzeljagd. Im Internet gibt es die Koordinaten über versteckte Ziele. Dann geht die Suche mit Hilfe von GPS-Geräten los. Im Kaliningrader Gebiet gab es noch kein Ziel – hier ist dieses moderne Spiel also noch nicht angekommen! Dann waren wir in Nidden (Nida), ein herrlicher Kurort, hier unser erstes Ziel: Die Große Düne, man fährt fast bis zum höchsten Punkt mit dem Auto. Neben der schönen Aussicht, der Landschaft, dem Haff ging es auch noch um 2 Caches. Leider wurde nur ein Cache gefunden. Weiter ging es nach Schwarzort (Juodkrante). Kurz vor dem Ort die Höchste Düne, die man über einen Pfad erreicht (53 m). In der Nähe des sowjetischen Kriegerdenkmals wieder ein Cache und am Ende des Hexenberges in Schwarzort noch einer. Der Hexenberg mit seinen ~ 80 Eichenskulpturen, die zwischen 1979 – 81 von Volkskünstlern geschaffen wurden, sollte keiner verpassen. Dann fuhren wir nach Memel (Klaipeda). Wenn die Fähre anlegt wird ein neues Wahrzeichen der Stadt sichtbar – ein riesiges Wohn-und Geschäftshaus (mehr als 40 Etagen) mit einer Glasfassade. Unser Ziel war jedoch die Altstadt und mit etwas Glück fanden wir einen Parkplatz wenige Meter vor dem Theaterplatz. Ein Rundgang durch die Altstadt vorbei am Simon-Dach-Brunnen, den renovierten Speichern an der Dane, das Segelschiff „Meridianas“, das Postamt mit seinem Metallturm und Glockenspiel, die alten Brücken war beeindruckend. Weniger beindruckend aber monumental ist das umstrittene Denkmal „Die Arche“ zum vereinten Litauen. Hier wird sogar der Anspruch Litauens auf das Königsberger Gebiet symbolisiert. Nach einer Tasse Kaffee fuhren wir nach Heydekrug (Silute) zu unserem Hotel. Nach seiner Renovierung im vergangenen Jahr erhielt es wieder seinen ursprünglichen Namen „Deim“. Richtig modernisiert, allerdings ohne Aufzug, kann man hier getrost übernachten. Selbst für die Computerfreunde ist mit WLAN ein Internetzugang vorbereitet. Bestellen kann man über eine eigene Homepage.

    6.  Reisetag  Donnerstag  26. Juni 2008

Für Heydekrug und Umgebung hatten wir einen Tag geplant. Meine renovierte Volksschule in der Hauptstraße sowie das Postamt, hier arbeitete mein Vater und die Kirche waren Ansichtsziele. Dann fuhren wir zur den Rudimenten der Bismarksiedlung, um Walter Wallenschus „Guten Tag“ zu sagen. Leider war er nicht anwesend und so zu fuhren wir weiter zu Bruno Kallweit nach Sziesze. Hier steht immer noch das Haus meiner Urgroßeltern, Johanna und August Nienke. Bruno war in Eile, hatte einen Termin in Schwarzort. Trotzdem machte er mit seinem Tragflächenboot einen Ausflug nach Minge, kurz auf das Haff hinaus und über den Hafen am alten Leuchtturm zurück nach Sziesze (Sysa). Im Hafen von Minge sind fast alle Häuser renoviert und ein voll belegter Bootshafen ist entstanden. An der Hafeneifahrt am Leuchtturm ist ebenfalls ein neuer Bootshafen mit Einsetzstelle entstanden. Leider ohne Tankstelle, aber mi EU-Fördermitteln. Weiter ging es nach Ruß (Rusne) bis zum alten Widerlager der ehemaligen Petersbrücke. Der Schiffsanleger ist fertiggestellt und die ehemalige Post wird schon wieder renoviert. Auf dem Rückweg nach Heydekrug trafen wir Walter Wallenschus  bei der Grasmahd für seine Ziegen und Schafe. In seinem Wohnzimmer haben wir uns über Gott und die Welt unterhalten, haben ein paar Mitbringsel dagelassen. Walter selbst sah nicht gut aus und denselben Eindruck machten sein Hof und die Tiere. Er bedankte sich dafür, dass wir ihn nicht vergessen hatten. Das nächste Ziel war ein Cash in Zemaiciu Naumiestis, ein Ort der immer zu Litauen gehörte. Auch hier merkt man den Fortschritt nach der litauischen Selbstständigkeit. Am Nachmittag machte ich noch einen Abstecher an das Westufer der Sziesze, um ein paar Fotos für meinen Bekannten Heiz Toleikis zu schießen. Hier befindet sich die ehemalige Schule, bei der aus bautechnischen Gründen der Teil mit dem Klassenzimmer abgerissen wurde. Im Gelände davor gibt es 2 Ferienhäuser mit Sauna. Die Vermieterin ist deutschstämmig und der Zugang erfolgt direkt von einem unbefestigten Weg am Ruß (Atmata).

Am späten Nachmittag hatten wir uns noch mit meiner Internetfreunschaft Rubenas Bukaviskas und seiner Familie ein Treffen in Stankischken (Stankischkiai). Hier hat er ein Haus gekauft und renoviert. Sehenswert! Wir machten einen gemeinsamen Ausflug zum Windenburger Eck (Vente). Ein Besuch der Vogelwarte mit seiner Fangstation war interessant. Vorbereitet sind riesige Masten für eine erweiterte Vogelfangstation. Sie stehen hier seit langer Zeit ohne Netze. Angeblich wurden die Netze von den Fischern zum Fischfang requiriert? Unsere Verständigung erfolgte recht holprig auf Englisch und Russisch.  Morgen geht es nach Polen. Iki pasimatymo Silute

   7.  Reisetag  Freitag  27. Juni 2008

Auf schönen Landstraßen ging es östlich des Königsberger Gebietes in Richtung Polen. Stationen: Jurbarkas, Sakiai, Pilviskiai. Danach kamen wir auf die A7 und nach 7 km auf die A5/E67. Nach weiteren 44 km (220 km von Silute) erreichten wir die polnische Grenze bei Budzisko – EU-Innengrenze! In Jurbarkas hatten wir unter der Memelbrücke noch einen Cash gesucht und gefunden.

In Polen funktionierte wieder unser Navigationsgerät und so kamen wir ohne Probleme über Augustowo, Kalinowa, Tuchlin … bis Lyck (Elk), Mikolajki (Nikolaiken). Dann spielte unser Navi mit uns. Im Dorf Baranowo (Barranowen) führte es uns auf einem Feldweg nach Uzranki (Königshütte) nach Zondern zur Pension von Krystina (Christel) Ditki. Nach 416 km standen wir um 14.38 Uhr auf ihrem Hof.

Zondern (Sadry) war ein kleines Dorf mit 127 Einwohnern im Landkreis Lötzen (Gizycko). Es liegt Zwischen Lötzen und Sensburg (Mragowo). Die Pension „Christel“. Ein Familienbetrieb; hat schöne und preiswerte Zimmer, eine gepflegte Gartenanlage mit Bauernmuseum. Hier können Sie landwirtschaftliche Geräte des vergangenen Jahrhunderts bewundern. Das Essen ist Hausmannskost und wird wie in Familie gegessen. Von hier sind viel touristische Sehenswürdigkeiten problemlos zu erreichen. Am nächsten Tag hatten wir die Wolfschanze, die Bunker der Heeresführung, die Schleusen des Masurenkanals, die Heiligelinde und Lötzen auf dem Programm.

    8. Reisetag  Samstag  28. Juni 2008

Auf zur Wolfsschanze bei Görlitz (Gierloz) in der Nähe von Rastenburg (Ketrzyn). Wir engagierten eine Führerin für 15 € und hatten eine fachkundige Führung durch das Gelände der Wolfsschanze. Abschließend suchten wir noch einen Cash auf dem gesprengten allgemeinen Bunker (26) außerhalb des Führungsgeländes. Über eine Stahlbügelleiter musste man den gesprengten Bunker erklimmen. Danach fuhren wir nach Mauerwald (Mamarki). Hier befand sich das ehemalige Oberkommando des Heeres OKH mit 30 unzerstörten Bunkern. Einige davon sind gekennzeichnet und man bekommt Taschenlampen, um auch das innere der Bunker zu besichtigen. Beide Objekte wurden hauptsächlich von polnischen Touristen besichtigt. 
Unser nächstes Ziel waren Schleusen des ehemals geplanten und begonnen Masur
ischer
Kanal, der den Mauersee mit dem Pregel. Es gab hier 2 begonne Schleusen und eine fertiggestellte Schleuse  Guja (Groß Guja) und Leśniewo (Füstenau). Der Besuch der Schleuse Piaski war recht abenteuerlich, da man sie eigentlich nur von außen besichtigen kann. Aber über einen Zaun der mit Schmierfett bestrichen war kam ich auf die Schleuse und konnte ein paar Fotos schießen. Die halbfertigen Schleusen waren bewirtschaftet, denn man musste an einem Wiesenparkplatz Gebühren zahlen und direkt an der Schleuse noch einmal. Hier war eine Sportanlage (Park Linowy Slusa) errichtet worden mit Seilen zum Klettern und mit Pumpguns konnte man sich beschießen. Nächste Station war Lötzen (Gizycko) mit seiner Drehbrücke und dem heutigen Aussichtspunkt im ehemaligen Wasserturm. Zum Schluss hatten wir uns die berühmte Kirche „Heiligelinde“ aufgehoben. Polnische Pilger ohne Ende besuchen diesen Wallfahrtsort. Es war ein schöner Abschluss unsrer großen Rundreise.

    9. Reisetag  Sonntag  29. Juni 2008 Endspieltag der Fußball – EM!

Wegen des Fußballspiels mussten wir pünktlich zuhause sein. Somit wollten wollten wir früh starten. 5.55 Uhr fuhren wir los nachdem uns Christel persönlich ein gutes Frühstück bereitet hatte und auch noch für ein riesiges Marschpaket gesorgt hatte. Wir fuhren fast genau südlich, um auf die neue mautpflichtige Autobahn Warschau-Frankfurt (Oder) zu kommen. Drei Abschnitte sind fertiggestellt. Zwischen Modla und Nowy Tomysl kommt man somit flott voran und zahlt 3 mal 3,10 € Maut. Nach 909 km in 9 Stunden und 40 Minuten waren wir in Markranstädt. Nun brauchte ich nur noch 1 Stunde bis Magdeburg.

Leider verloren wir das Endspiel gegen Spanien mit 0 : 1 !!!!!!!!!!!!!!

10. Anschriften

Reiseroute ohne An-und Abreise und Fahrten im  Königsberger Gebiet

1.Rast Polen

1.Rast Polen

Vor Elbing

Vor Elbing

Mittagspause

Mittagspause

Versicherung

Versicherung

Grenze

Grenze

Schilder

Schilder

Stadtgrenze

Stadtgrenze

Mit dem PKW durch das ehemalige Ostpreußen

21. Juni  bis 28. Juni 2008

     0.   Vorwort

Als gebürtiger Ostpreuße möchte man seinen Kindern schon die ehemalige Heimat, sein früheres Zuhause zeigen. Vorausgesetzt es liegt Interesse vor und da hatte ich mit Sohn Michael, der in Magdeburg geboren wurde, Glück. So konnte die Planung rechtzeitig erfolgen. Problem: Mein Geburtsort ist Herdenau Kreis Elchniederung und der liegt im russischen Teil. Erinnerungen habe ich aber an Heydekrug, wo ich ab dem 3. Lebensjahr bis 1944 lebte. Heydekrug heißt heute Silute und gehört zu Litauen. Sohn Michael meinte, wenn wir schon ein par 1000 km durch Polen, Russland und Litauen fahren, dann möchte er auch einen Abstecher zur Wolfsschanze machen! Die Tourenplanung sah also vor, dass wir über Polen in das Kaliningrader Gebiet (Königsberg) einreisen. Hierzu braucht man ein Visum und da wir in ein militärisches Sperrgebiet einreisen wollten ist dazu eine gesonderte Genehmigung (Propusk) erforderlich. Das Visum besorgt man sich zweckmäßiger Weise über ein Reisebüro in Deutschland und Quartier sowie den Propusk über ein Reisebüro in Königsberg. Auch die Übernachtungen in Litauen und Polen kann bequem per Telefon oder Internet bestellen. Die von uns genutzten Anschriften finden am Ende des Reiseberichtes. Schön für uns als Neulinge für eine Reise nach Königsberg war, dass zufällig am gleichen Tag die Familie Dawideit das gleiche Ziel hatte. Von Familie Dawideit bekamen wir auch die ganzen Reisetipps – vielen Dank dafür an dieser Stelle. Zur gleichen Zeit kam auch Manfred Romeike nach Heinrichswalde (Slawsk).

Der Routenplan (siehe oben) beinhaltet nur die Grundroute von Elblag über den Grenzübergang zum Kaliningrader Gebiet, dann nach Litauen und zurück nach Polen bis in die Gegend von Rhein (Ryn). Hier liegt in der Nähe der Ort Sadry (Zondern), der unser Ausgangspunkt für die Wolfsschanze und andere Objekte war.
 

    1.   Reisetag  Sonnabend - 21. Juni 2008

Mit Familie Dawideit, die in der Nähe von Zwenkau wohnt, trafen wir uns um 2.30 Uhr in Markranstädt. Hier wohnt Sohn Michael. Pünktlich waren wir alle am vereinbarten Treffpunkt und so starten wir in Richtung Polen. Um 5.00 Uhr nach 277 km passierten wir die Grenze nach Polen bei Küstrin. In Polen wurde getankt, Geld (Sloty) getauscht, gefrühstückt, Mittagbrot gegessen. Bei Elbing wird eine neue Straße gebaut für einen neuen Grenzübergang nach Königsberg und diese ¾-fertige  Straße darf man nutzen. Für Deutschland unvorstellbar. Nach 741 km bei einem ungewöhnlich starkem Gewitter waren wir Punkt 14.00 Uhr an der russischen Grenze bei Mamonovo (Heiligenbeil). Für Russland benötigt man eine zusätzliche Autoversicherung, die wir noch in Polen abschlossen (44 €, billiger als in Russland) und bei dieser Gelegenheit tauschten wir auch gleich noch Geld (Rubel).

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Kaliningrad - Königsberg 2008