Wehrdienst während des Studiums in der Nationalen Volksarmee im Sommer 1959.

Am 1. März 1956 wurde auf Beschluss der Volkskammer der DDR vom 18.01.1956 die Nationale Volksarmee (NVA) gegründet. Das Wehrpflichtgesetz trat am 24.01.1962 in Kraft. Das ist hinlänglich bekannt und es gibt über die NVA Literatur und Internetbeiträge ohne Ende, sodass hier keine weiteren Ausführungen notwendig sind. Vielleicht waren meine Recherchen zu oberflächlich, jedenfalls habe ich keinen Hinweis darauf gefunden auf welcher rechtlichen Grundlage der DDR alle männlichen Studenten zur Musterung geladen wurden. Vielleicht war es sogar freiwillig, dann habe ich es vergessen. Für mich und einige meiner  Studienfreunde spielte es keine Rolle, denn wir hatten freiwillig gedient, waren Reservisten und konnten ohnehin eingezogen werden.
Wir wurden in der Ingenieurschule  Roßwein/Sachsen gemustert. Dazu wurde die oberste Etage unseres Hauptgebäudes isoliert. Die Toilette war Labor ... und am Ende der Prozedur bekam man gesagt, ob man tauglich war. Statt des üblichen Praktikums in einer Firma machten wir im Sommer unseren Reservisten- oder Wehrdienst. Mit einem Sonderzug ging es für uns nach Prenzlau in der Uckermark. In einem riesigen Speisesaal warteten wir dann auf unsere Aufteilung. Im wahrsten  Sinne warten, warten, warten... und die Studenten sangen das Lied: “Stumpfsinn, Stumpfsinn du mein Vergnügen, Stumpfsinn, Stumpfsinn du meine Lust, gäbs keinen Stumpfsinn gäbs kein Vergnügen...” Nun besannen sich die professionellen Militärs und brüllten: “Alles raustreten!”   ... dann Aufteilung und Abmarsch zu den Quartieren. Gediente Reservisten kamen zu ihren Spezialeinheiten, ich  war ausgebildeter Funker und kam deshalb zu einer Nachrichteneinheit. Alle ungedienten  Studenten machten eine Infanterie - Ausbildung (Mot.-Schützen).
In der damaligen Zeit waren  in den meisten Fällen die Kasernen der NVA spartanisch ausgerüstet. So war Ofenheizung üblich, einmal in der Woche Duschen und Wäschetausch, nur Kaltwasser in den Waschräumen. Keine Spinde, nur Nachtschrank etc.. Also kein Zuckerlecken und die Ausbildung war streng, konnte auch so durchgeführt werden, weil davon das weitere Studium abhing. Ein Beispiel dazu: Ein Student unserer Schule war ein typischer “Passgänger”, konnte also nicht im Gleichschritt marschieren, brachte  Gruppe, Zug oder Kompanie durcheinander. Er bekam deshalb eine Einzelausbildung und wurde so lange gequält, bearbeitet auf und ab gescheucht bis er die Nerven verlor und seine MPi auf den Exerzierplatz  knallte und den Platz verließ. Ergebnis: Exmatrikulation!
Nachfolgend ein paar Fotos von Ausbildung und Ausgang.

Im Exerzierschritt marsch!
Funker auf dem Marsch

Beginnen wir mit einem Foto, welches zeigt, dass man seine Freizeit, den Ausgang genießt und sogar das Gelernte  zur Erinnerung dokumentiert. Grundsätzlich war es nämlich verboten während des Dienstes zu fotografieren. Aber man kann sehen: Es macht Spaß! Oder? Zweiter von links ist Reiner Silbermann

Volker L., Christian H., Wolfgang L., Uwe S. Werner N., Hartmut K., Erich. L.,Dieter. N. ganz rechts Rolf-Dieter Eschler . Hinter Rolf-Dieter Eschler steht Dozent Krauspe
Gasalarm
Nach dem Gasalarm
V.l. Erich L., Rolf.S., Dieter N., Uwe S.,, Reiner S., Wolfgang L.,  Hartmut K.
Ruine der Kirche St Marien in Prenzlau
Marode Häuser in Prenzlau
Haus mit Riedach in Prenzlau

Eigentlich sollte man sich heute Prenzlau ansehen, denn nach der Wende hat viel verändert auch diese Stadt erholt!
Aber hier kann man sich auch so informieren:
  www.prenzlau.de

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Studium & Nationale Volksarmmee 1959